Sprengstoffgürtel war Attrappe

Iranisches Konsulat in Paris abgeriegelt: Mann nach Bombendrohung festgenommen

Französische Polizisten in der Nähe des iranischen Konsulats in Paris, nachdem eine Person verdächtigt wurde, das Gebäude mit Sprengstoff betreten zu haben.
© MIGUEL MEDINA

Am Freitag kam es zu einem versuchten Attentat in Frankreichs Metropole. Der Täter war mit einem mutmaßlichen Sprengstoffgürtel ausgestattet und verschaffte sich Zutritt ins iranische Konsulat. Im Zuge eines Polizeigroßeinsatzes konnte der 60-Jährige gefasst werden.

Paris – Mit der Attrappe eines Sprengstoffgürtels ist in Paris ein Mann in das iranische Konsulat eingedrungen und hat einen großen Polizeieinsatz ausgelöst. Eine Spezialeinheit der Polizei sperrte das Gebiet am Freitag zunächst ab, weil eine Bedrohungslage befürchtet wurde, wie die Pariser Polizeipräfektur mitteilte. Schließlich verließ der 60 Jahre alte Iraner das Konsulat von sich aus wieder und wurde festgenommen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Im Konsulat habe er mit einer Gewalttat gedroht, letztlich aber keinerlei Waffen bei sich gehabt. Unter dem Vorwurf einer Todesdrohung kam der Mann in Polizeigewahrsam. Der in Frankreich lebende Iraner habe im vergangenen September bereits aus Protest gegen das iranische Regime vor dem Konsulatsgebäude Autoreifen in Brand gesetzt. Dafür war er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, die noch nicht rechtskräftig war, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Die Kriminalpolizei versuche nun, die Motive des Mannes für sein Eindringen in das Konsulat zu ermitteln.

Nach der Abriegelung des Konsulats sei bei Durchsuchungen kein Sprengstoff gefunden worden. „Weder am Körper des Mannes noch in seinem Auto oder in dem Gebäude“, erklärte die Staatsanwaltschaft Paris am Freitag.

„Mann mit Granate“ gesichtet

Zuvor dürfte der Mann offenbar mit Gewalt gedroht hatte, wie es weiter hieß. Mitarbeiter des Konsulats hatten laut Polizei zuvor gemeldet, ein Mann „mit einer Granate oder einer Sprengstoffweste“ sei im Gebäude gesichtet worden. Laut der Präfektur forderte das Konsulat daraufhin einen Polizeieinsatz an. Das im Westen von Paris gelegene iranische Konsulat wurde vollständig abgeriegelt, zahlreiche Polizisten waren auf der Straße zu sehen. Eine nahe gelegene Metro-Station wurde geschlossen, der Verkehr auf zwei Metro-Linien eingestellt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der Festgenommene wegen der Entzündung von Autoreifen vor dem Konsulat im Jahr 2023 bereits verurteilt worden. Demnach hätte er am Montag wegen des Falles vor Gericht erscheinen sollen. Ein untergeordnetes Gericht hatte ihn zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt und ihm untersagt, das Gebiet um das Konsulat zu betreten. Er legte Berufung gegen das Urteil ein.

Frankreich hat nach einem Anschlag auf einen Konzertsaal in Moskau am 22. März, zu dem sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte, die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und die höchste Alarmstufe ausgerufen. Der Vorfall in der französischen Hauptstadt ereignete sich vor dem Hintergrund sich zuspitzender Spannungen mit dem Iran im Nahen Osten. Zunächst konnte jedoch kein Zusammenhang festgestellt werden. (APA, dpa, AFP)

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