Hinrichtung wurde gefilmt: Mörder starb durch Giftspritze

Die Videoaufzeichung einer Hinrichtung mit Giftspritze löst in Amerika erneut eine Diskussion über diese Art der Exekution aus.

Atlanta – Donnerstag, 20.04 Uhr: Andrew Grant DeYoung ist tot. Hingerichtet durch einen tödlichen Giftcocktail, verabreicht in einer Todesspritze. Im amerikanischen Georgia keine Seltenheit, dort sitzen mehrere Dutzend Häftlinge im Todestrakt und warten auf ihre Exekution. 100 Menschen werden pro Jahr im Schnitt in den USA hingerichtet.

Doch DeYoung ist trotz allem ein Sonderfall: Seine Hinrichtung wurde gefilmt – 20 Minuten lang. Erstmals seit 1991 hat es damit in den USA wieder eine Videoüberwachung während einer Hinrichtung gegeben.

Mord aus niederen Motiven

Die Todesstrafe ist auch in Amerika, wo sie noch in vielen Bundesstaaten üblich ist, heftig umstritten. Besonders, wenn die Todeskandidaten mit der Giftspritze hingerichtet werden. So wie Andrew Grant DeYoung.

Er war zur lethalen Strafe verurteilt worden, weil er 1993 gemeinsam mit einem Komplizen seine eigenen Eltern und seine 14-jährige Schwester umgebracht hatte. Als Motiv hatte er angegeben, dass er mit dem erhofften Erbe ein eigenes Geschäft aufmachen hatte wollen. Ein Mord aus niederen Motiven.

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18 Jahre später schlief er durch das Gift der Spritze friedlich ein. So zumindest beschrieb es ein Reporter des „Marietta Daily Journals“, der bei der Hinrichtung dabei war.

Aber gerade dieses angeblich Friedliche stellen Kritiker der Todesspritze seit Jahren in Frage. Sie gehen sogar so weit, zu behaupten, dass die Kandidaten kurz vor ihrem Tod heftigen Schmerzen ausgesetzt sind, wenn sie durch die Giftspritze getötet werden.

Schmerzen per Video überwachen

Aus diesem Grund wurde die Videoüberwachung wieder eingeführt. Bisher waren Hinrichtungen immer ohne Foto- oder Videodokumentationen durchgeführt worden. Anwälte von Todestraktinsassen haben das Filmmaterial aber gerichtlich beantragt, weil sie befürchten, dass die verwendeten Medikamente bei ihren Mandanten unnötiges Leiden verursachen.

Seit Jahren stehen die amerikanischen Behörden wegen der Hinrichtungsart mit Giftspritze unter Beschuss. Im Jahr 2006 hat die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ eine Studie zu dem Thema veröffentlich, die zu dem Schluss kam, dass die Bundesstaaten bei den Hinrichtungen inkompetent, nachlässig und verantwortungslos agieren würden. „Die USA sind sorgfältiger, wenn es darum geht, Hunde zu töten, als wenn es sich um Menschen handelt“, hieß es damals.

Leichenbeschauer als Gift-Mischer

Die Exekution mit Giftspritze gibt es seit 1977. Damals wurde in Oklahoma ein Leichenbeschauer damit beauftragt, eine humanere und billigere Methode für die Hinrichtung zu erfinden, weil der Einsatz des Elektrischen Stuhls zu teuer gekommen war. Der Leichenfachmann hatte keinerlei Ahnung von Anästhesie und trotzdem setzte sich seine Art der Hinrichtung durch. Auch 30 Jahre später ist sie in beinahe allen Bundesstaaten der USA noch in Gebrauch, kritisiert auch „Human Rights Watch“.

Die Hinrichtung durch die Giftspritze dauert rund 20 Minuten und besteht aus drei Teilen. Zuerst wird der Todeskandidat mit einem Betäubungsmittel ruhig gestellt, dann wird ihm eine Substanz verabreicht, die seine Muskeln lähmt. Zuletzt folgt ein Medikament, das den Herzschlag verlangsamt und schließlich den Tod herbeiführt.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Pannen bei der Verabreichung gegeben, ein Grund, weshalb die Todesinjektion so stark unter Beschuss geraten ist. Wenn nur eine der drei Komponenten nicht ausreichend wirkt, kann die Hinrichtung starke Schmerzen auslösen. Es hat auch schon Fälle gegeben, bei denen die Häftlinge die Todesspritze überlebt haben.

Engpässe beim Gift-Nachschub

Seit 2009 wird in den USA der Wirkstoff Thiopental für die Giftspritzen verwendet. Es war einmal eines der gebräuchlichsten Narkosemittel im medizinischen Bereich. Wenn es zu hoch dosiert wird - wie im Fall der Todesspritze - setzt die Atmung der Patienten aus und es kommt zum Herzstillstand.

Da im Schnitt 100 Menschen pro Jahr durch den Wirkstoff hingerichtet werden, gibt es in Amerika inzwischen einen Lieferengpass. Länder wie Österreich und Deutschland wehren sich vehement, für die „Tötungsmaschinerie“ Nachschub zu liefern. Auf dem heimischen Markt wird der Wirkstoff kaum noch verwendet, weil er auch zu Leberschäden führen soll.

Die Amerikaner stellt das vor ein Problem: Denn nach amerikanischen Recht können sie die Zusammensetzung des Gift-Cocktails nicht einfach ändern. Hierfür ist ein langwieriges und aufwendiges Zulassungsverfahren notwendig. Immer mehr Hinrichtungen müssen daher aufgeschoben werden.

Auf eine Aufschiebung hat DeYoung bis zum Schluss gehofft. Bei ihm gab es allerdings keinen Engpass. Die letzten Worte vor seinem Tod: „Ich entschuldige mich bei allen, denen ich weh getan habe.“

Ausgerechnet sein Tod könnte jetzt dazu führen, dass das Ende der Menschen im Todestrakt in Zukunft weniger weh tun könnte. (rena)


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