Kampf um Gaddafi-Stadt: Rebellen kommen nur langsam voran

Gaddafis Geburtsstadt Sirte im Visier der NATO: Die Allianz beschießt Militärziele in der Umgebung von Sirte. Die Vorbereitungen für einen Rebellenangriff auf die Küstenstadt bleiben schwierig. In Tripolis kämpfen die neuen Machthaber weiter mit Versorgungsproblemen.

Tripolis, Kairo, Doha - Der Vormarsch der libyschen Aufständischen auf die Geburtsstadt des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi kommt nur langsam voran. Für die Operation in der Küstenstadt Sirte würden mehr erfahrene Kämpfer gebraucht, berichtete der arabische TV-Nachrichtensender Al-Jazeera am Montag. Die NATO teilte in Brüssel mit, dass zuletzt unter anderem Radarstationen sowie Abschussbasen für Boden-Luft-Raketen in der Umgebung von Sirte beschossen worden seien. Die Rebellen sind nach eigenen Angaben damit beschäftigt, die eingenommene Hauptstadt Tripolis zu befrieden. Die dortige Versorgungslage ist kritisch, die Lage in den Krankenhäusern dramatisch.

In Sirte verhandelten Bevollmächtigte des Übergangsrats mit Stammesführern über eine friedliche Übergabe der Stadt. Die Rebellen kämpfen sich in Richtung Sirte vor, um notfalls die strategisch wichtige Stadt anzugreifen. Nach dem Al-Jazeera-Bericht haben die Rebellen jetzt den Ort Nawfaliya, rund 120 Kilometer westlich von Sirte, weitgehend unter Kontrolle. Nach Angaben eines Sprechers kontrollierten die Aufständischen inzwischen auch die Straße zwischen Tripolis und Sebha. Die umkämpfte Wüstenstadt in Zentrallibyen gilt als weitere Bastion der Gaddafi-Anhänger.

Libyen-Konferenz mit Sarkozy, Cameron und Merkel

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron wollen am Donnerstag eine internationale Libyen-Konferenz im Pariser Élysée-Palast leiten, zu der auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird. Auf der Tagesordnung stünden die Pläne für den politischen Übergang, der Prozess der Versöhnung und der Wiederaufbau, sagte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Zu der Konferenz der „Freunde Libyens“ hat Frankreich rund fünfzig Länder eingeladen, darunter auch die UNO-Vetomächte China und Russland.

Der Machtwechsel in Libyen nach monatelangem Bürgerkrieg wäre nach Einschätzung des französischen Außenministers Alain Juppé ohne den internationalen Militäreinsatz nicht möglich gewesen. „Nur die militärische Intervention der internationalen Gemeinschaft hat es ermöglicht, ein echtes Blutbad zu verhindern“, sagte Juppé am Montag in Berlin. Die Aufständischen haben die sie unterstützende internationale Militärkoalition zur Fortsetzung des Einsatzes aufgerufen. Gaddafi stelle nicht nur für die libysche Bevölkerung, sondern für die gesamte Welt „noch immer eine Gefahr“ dar, sagte der Vorsitzende des „Nationalen Übergangsrates“, Mustafa Abdel Jalil, am Montag in Doha, der Hauptstadt von Katar. Er sprach zu Beginn eines Treffens der Armeechefs der an dem Militäreinsatz beteiligten Länder.

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Schwere Vorwürfe gegen Gaddafi-Getreue

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erhob schwere Vorwürfe gegen Gaddafi-Getreue. Es gebe Beweise für willkürliche Hinrichtung von Häftlingen, als die Rebellen in die Hauptstadt einrückten. Gaddafis Gefolgsleute hätten sogar medizinisches Personal getötet. Der Übergangsrat sucht nach mehr als 50.000 Häftlingen, die spurlos verschwunden sind. Diese Gefangenen würden möglicherweise in unterirdischen Bunkeranlagen festgehalten.

Als eine der letzten Gaddafi-Bastionen im Ausland hat am Montag auch die Botschaft in Moskau die rot-schwarz-grüne Fahne der Rebellen gehisst. Die Botschaft hatte die grüne Fahne des Gaddafi-Regimes Ende der vergangenen Woche abgenommen, aber die von den Aufständischen verwendete Flagge des früheren Königreichs (1951-69) zunächst nicht aufgezogen. (APA/dpa/AFP)


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