Gaddafis Frau und drei Kinder sind nach Algerien ausgereist

Das algerische Außenministerium teilte am Montag mit, dass die Frau des gestürzten Diktators samt drei Kindern in Algerien seien. Von Gaddafi selbst fehlt jede Spur.

Algier – Muammar al-Gaddafi bleibt auch Tage nach der Einnahme von Tripolis durch libysche Rebellentruppen ein Phantom. Keiner hat ihn gesehen. Keiner weiß, wo er untergetaucht sein könnte. Statt Fakten haben Rebellen, Diplomaten und Nachrichtendienste nur Spekulationen zu bieten.

Gaddafi soll sich nach einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa in Bani Walid 100 Kilometer südöstlich von Tripolis untergetaucht sein. Die Agentur meldete dies am Montag unter Berufung auf „diplomatische libysche Quellen“.

Der Ex-Diktator sei mit seinem Sohn Al-Saadi zusammen, während die Familie sich in Algerien aufhalte. Sein Sohn Khamis sei mit höchster Wahrscheinlichkeit während des Rückzugs auf der Straße nach Bani Walid erschossen worden.

Die Frage des Aufenthalts eines Teils seiner Familie scheint sich nun aufzulösen. Und tatsächlich scheint es so, dass Gaddafis Frau und drei seiner Kinder sich in Algerien befinden. Wie das Ministerium in Algier am Montag über die Nachrichtenagentur APS mitteilte, überquerten Gaddafis Ehefrau Safia, die Tochter Aisha sowie die Söhne Hannibal und Mohammed am Morgen die algerisch-libysche Grenze.

Rebellen-Vorstoß stockt

Indes kommt der Vormarsch der libyschen Aufständischen auf die Geburtsstadt Gaddafis nur langsam voran. Für die Operation in der Küstenstadt Sirte würden mehr erfahrene Kämpfer gebraucht, berichtete der arabische TV-Nachrichtensender Al-Jazeera am Montag.

Die NATO teilte in Brüssel mit, dass zuletzt unter anderem Radarstationen sowie Abschussbasen für Boden-Luft-Raketen in der Umgebung von Sirte beschossen worden seien. Die Rebellen sind nach eigenen Angaben damit beschäftigt, die eingenommene Hauptstadt Tripolis zu befrieden. Die dortige Versorgungslage ist kritisch, die Lage in den Krankenhäusern dramatisch.

In Sirte verhandelten Bevollmächtigte des Übergangsrats mit Stammesführern über eine friedliche Übergabe der Stadt. Die Rebellen kämpfen sich in Richtung Sirte vor, um notfalls die strategisch wichtige Stadt anzugreifen. Nach dem Al-Jazeera-Bericht haben die Rebellen jetzt den Ort Nawfaliya, rund 120 Kilometer westlich von Sirte, weitgehend unter Kontrolle. Nach Angaben eines Sprechers kontrollierten die Aufständischen inzwischen auch die Straße zwischen Tripolis und Sebha. Die umkämpfte Wüstenstadt in Zentrallibyen gilt als weitere Bastion der Gaddafi-Anhänger. (tt.com, APA)


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