Braut starb bei Unfall nach Hochzeit: Schwiegervater verurteilt

Der tragische Tod einer Braut in ihrer Hochzeitsnacht hat am Landesgericht Salzburg ein gerichtliches Nachspiel gehabt. Der Schwiegervater hatte wegen eines Sekundenschlafs bei der Heimfahrt von der Hochzeitsfeier einen Frontalzusammenstoß verursacht. Die 22-jährige Braut wurde dabei getötet.

Salzburg - Der Sekundenschlaf eines Autofahrers hat das Glück eines frisch vermählten Paares im Pinzgau am 9. Mai 2010 für immer zerstört. Die 22-jährige Braut starb auf der Heimfahrt von einer Hochzeitsfeier nach einem Frontalzusammenstoß in Viehhofen. Schuld an der Tragödie hat ausgerechnet der 46-jährige Schwiegervater, der am Steuer des Wagens saß. Er habe in einem stark übermüdeten Zustand mit erhöhter Geschwindigkeit den Verkehrsunfall verursacht, erklärte am Dienstag eine Einzelrichterin bei einem Prozess am Salzburger Landesgericht. Der geständige Kroate erhielt ein Jahr Haft auf Bewährung. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

„Der Mann ist absolut bedient“

„Das war ein besonders schrecklicher Verkehrsunfall, der an Tragik schwer zu überbieten ist. Der Ehepaar war gerade frisch angetraut, der Mann ist absolut bedient. Er braucht eigentlich keine gerichtliche Strafe mehr“, versuchte Verteidiger Johannes Hebenstreit zu Beginn der Verhandlung den Gemütszustand des angeklagten Lagerarbeiters in Worte zu fassen.

Der Schwiegervater der getöteten Braut saß regungslos vor Richterin Gabriele Glatz, er wirkte müde, wie niedergeschlagen, aber doch angespannt. Für ihn ist unfassbar, was geschehen war: Sein Pkw geriet am frühen Morgen auf die Gegenfahrbahn und prallte frontal in einen entgegenkommenden Kleintransporter. Die Lenker der beiden Fahrzeuge wurden ebenso verletzt wie auch die Ehefrau des Angeklagten, die neben ihm auf dem Beifahrersitz saß, und der 26-jährige Bräutigam, an den sich die Braut auf der Rückbank gekuschelt hatte. Die 22-Jährige erlag eine Stunde später ihren schweren Verletzungen im Spital. Ihre Mutter erlitt in der Nacht vor dem heutigen Prozess einen Nervenzusammenbruch und musste in die Klinik gebracht werden.

„Ich dachte, ich bin nicht so müde“

Der Mann habe die Strapazen der Hochzeit überschätzt und sei während der Heimfahrt von der Feier in Neukirchen am Großvendiger auf der Glemmtaler Landesstraße kurz weggenickt, sagte der Verteidiger. Leichtsinnig sei er nicht gewesen, er habe keinen Tropfen Alkohol getrunken. Dass er bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 km/h einem kfz-technischen Gutachten zufolge „mindestens 88 km/h“ fuhr, wie die Richterin erklärte, habe er nicht bemerkt, sagte dann der Angeklagte selbst. Und auf die Bemerkung, dass sich ein Sekundenschlaf doch mit Gähnen und schweren Augen ankündige, antwortete er: „Ich dachte, ich bin nicht so müde, dass ich es nicht bis nach Saalbach schaffen werde. Ich wäre sicher stehen geblieben, hätte ich das gespürt. Ich war sehr glücklich, dass mein Sohn Hochzeit hat, ich habe zwischendurch auch eine Stunde geschlafen.“

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Ermüdung wirkt wie eine starke Alkoholisierung

Die Richterin verurteilte den Angeklagten im Sinne des Strafantrages wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen sowie wegen schwerer und fahrlässiger Körperverletzung. Mildernd wertete sie die Unbescholtenheit, das reumütige Geständnis und die Tatsache, dass ihm die getötete Person nahe stand. Das Urteil solle aufzeigen, dass eine Ermüdung wie eine starke Alkoholisierung wirke. „Das darf nicht unterschätzt werden“, warnte Glatz.

Sie sprach der Mutter des Opfers ein Trauerschmerzensgeld von 200 Euro zu. „Die Mutter hat massiv auf die Tochter gebaut, moralisch und arbeitsunterstützend. Sie hat einen wichtigen Bezugspunkt verloren“, sagte der Privatbeteiligtenvertreter. (APA)


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