Islam-Experte zweifelt an Fähigkeiten der neuen Machthaber

Tariq Ramadan hat große Vorbehalte gegen die Rebellenführung.

Abidjan – Der in Oxford lehrende Genfer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan zweifelt an den Fähigkeiten des „Nationalen Übergangsrates“ der Rebellen, dem nordafrikanischen Land nach dem Untergang des Regimes von Muammar al-Gaddafi eine brauchbare Zukunftsperspektive zu bieten. Die neuen libyschen Machthaber, die nach monatelangem Bürgerkrieg mit Unterstützung der NATO die Hauptstadt Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht haben, hätten sich als Haufen „unkontrollierbarer Personen“ herausgestellt, sagte der renommierte Intellektuelle und Enkel von Hassan al-Banna, dem Begründer der ägyptischen Muslimbrüder.

„Gaddafi war ein Diktator. Aber ich hege große Zweifel an dem, was uns da als Zukunftsalternative angekündigt wird“, sagte Ramadan. „Man stellt uns eine Gruppe von Leuten als Befreier vor, die vollkommen heterogen und nicht zu kontrollieren ist“. Ihm sei rätselhaft, dass man im Westen solche Eile hatte, den Rebellen-Rat anzuerkennen, dessen Mitglieder zum Teil eine fragwürdige Vergangenheit hätten. Wer sich einbilde, mit derartigen Elementen „eine Demokratie auf Distanz steuern“ zu können, der bringe „den afrikanischen Bürgern nicht die Freiheit“. Deshalb habe er selbst für die Nach-Gaddafi-Ära schlimme Befürchtungen.

Der 49-jährige Tariq Ramadan ist derzeit Professor für Islamische Studien an der britischen Universität Oxford. Als er einen Lehrstuhl an der Universität Notre Dame im US-Staat Indiana hätte antreten sollen, hatte ihm die frühere US-Regierung unter Präsident George W. Bush die Einreise verweigert. Das Einreiseverbot wurde von der jetzigen Regierung aufgehoben. (tt.com/APA/AFP)

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