Bankenaufseher fürchtet Kreditklemme bei Europas Banken

Die europäische Bankenaufsicht schlägt vor, dass der Euro-Rettungsfonds direkt Geld an angeschlagene Banken geben darf.

Hamburg - Die europäische Bankenaufsicht (EBA) ist einem Zeitungsbericht zufolge besorgt über die Kapitalausstattung europäischer Banken und schlägt daher vor, dass der Euro-Rettungsfonds (EFSF) fortan direkt Geld an angeschlagene Banken geben darf. EBA-Chef Andrea Enria plane, ein entsprechendes Schreiben am Dienstag oder Mittwoch an den Rat der europäischen Finanz- und Wirtschaftsminister zu schicken, berichtete die „Financial Times Deutschland“ (FTD) am Dienstag. Mit direkten Kapitalspritzen würde der EFSF zum Miteigentümer der unterstützten Geldhäuser. Bisher darf der Fonds nur Staaten Geld leihen - diese wiederum können es aber, wie im Fall Irland, an Banken weiterreichen.

Bei Verwirklichung des Vorschlags könnte der Rettungsfonds bei Bedarf schneller handeln und notleidende Banken mit einem dickeren Kapitalpolster ausstatten, schrieb die Zeitung. Die Mehrheit der 27 EBA-Länder habe den Plan bereits gutgeheißen. Deutschland allerdings sei strikt gegen mehr Befugnisse für den EFSF, so die „FTD“ unter Berufung auf einen „deutschen Insider“.

Die Bankenaufsicht EBA hatte im Juli die Ergebnisse ihres jüngsten Stresstests von 91 europäischen Banken veröffentlicht. Dabei fielen nur acht Banken durch, unter ihnen fünf spanische Institute. Die Stresstests sollten die Widerstandsfähigkeit von Banken im Falle einer Krise überprüfen. Die EBA hatte sich dazu Krisenszenarien ausgedacht, die die Banken durchrechnen mussten.

Am Wochenende hatte die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, mit ihrer Forderung Aufsehen erregt, die europäischen Banken dringend mit Kapital zu versorgen. Nur so könnten sie den Risiken widerstehen, die angesichts der Schuldenkrise und des schwachen Wirtschaftswachstums drohten.

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Der europäische Rettungsfonds verfügt über 725 Mrd. Euro von Euro-Ländern, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF). Er soll 2013 auslaufen und von einem ständigen Krisenmechanismus abgelöst werden.

Brüssel warnt vor Panikmache bei Bankfinanzen

In der Debatte um die Finanzausstattung europäischer Banken warnt die EU-Kommission vor Panikmache. „Das Bild ist klar und die Art und Weise zum Handeln auch“, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Dienstag in Brüssel. „Es sollte kein Bangemachen geben“, sagte er.

Die Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hatte am Wochenende gesagt, europäische Banken müssten rekapitalisiert werden. Der Sprecher sagte, europäische Banken hätten im Zuge der Stresstests vom vergangenen Juli ihr Eigenkapital um rund 50 Mrd. Euro gestärkt.

Banken mit einer zu schwachen Kapitalausstattung seien im Sommer aufgefordert worden, innerhalb von sechs bis neun Monaten handeln. „Dieser Prozess läuft nun.“ Rehn hatte bereits gesagt, dass er dabei privatwirtschaftliche Lösung wie beispielsweise Fusionen von Banken befürwortet. Die öffentliche Hand solle nur einschreiten, falls dies nicht klappe.

Trotz der Kapitalmaßnahmen sei es für europäische Banken in den vergangenen Wochen schwierig gewesen, an Geldmittel zu kommen, sagte der Sprecher.

Die Kommission erwartet, dass sich die Lage verbessere. Liquidität könne auch über die Zentralbanken bereitgestellt werden. Der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hatte am Montag im Europaparlament gesagt, es gebe kein Liquiditätsmangel für das europäische Bankensystem. (APA/AFP/dpa)


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