Sprachenstreit in Montenegro spitzt sich zu

Nach gescheiterten Gesprächen mit Premier Luksic droht die Opposition mit Boykott.

Bisher kann eine Suspendierung von Schülern an der Schule selbst nur "angedroht" und dann beantragt werden. (Symbolfoto)
© Thomas Murauer

Podgorica – Die montenegrinische Opposition hat einen Boykott der nächsten Parlamentssitzung angekündigt. Der Boykott sei eine „notwendige Lösung“, wenn keine Einigung mit der Regierung hinsichtlich der Implementierung von Serbisch als Unterrichtssprache erzielt werden sollte, zitierte die regierungskritische Zeitung Vijesti am Dienstag Vertreter der Opposition. Ein erneutes Gespräch zwischen Premier Igor Luksic und Oppositionsführern am Montag brachte nicht die gewünschten Erfolge, wie eine Belgrader Nachrichtenagentur berichtete. Das Problem bleibt damit weiterhin - auch zwei Tage vor Beginn des neuen Schuljahres - ungelöst.

Premier lehnt Gleichbehandlung der Sprachen ab

Die Opposition fordert eine Gleichbehandlung von Montenegrinisch und Serbisch innerhalb des Bildungssystems, Luksic lehnte dies jedoch bei den jüngsten Gesprächen ab. Die Opposition stellt jedoch die Gleichstellung als Bedingung für deren Zustimmung zur Änderung des Wahlgesetzes. Die Gesetzesänderung gilt als Voraussetzung für die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen vor Jahresende. Zur Änderung der Wahlordnung ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament und damit die Zustimmung der Opposition notwendig.

Bei der Volkszählung im April haben rund 43 Prozent der Bürger Montenegros als ihre Umgangssprache Serbisch angegeben und 37 Prozent Montenegrinisch. Neben dem Montenegrinischen und dem Serbischen soll künftig auch die Möglichkeit zum Unterricht in den Sprachen der anderen Volksgruppen bestehen - Bosniaken, Albanern und Kroaten. Der Staat an der Adria, der vor 1918 unabhängig war, hatte sich nach einem Referendum im Jahr 2006 von Serbien losgelöst.

Der Unterschied zwischen dem Serbischen und dem Montenegrinischen ist minimal. Zwar hat das montenegrinische Alphabet mit 32 Buchstaben um zwei Buchstaben mehr als das serbische. Diese Unterscheidung sei aber, witzelten montenegrinische Medien, selbst für das Lehrpersonal nicht immer mit freiem Auge erkennbar (APA)

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