Einer Nachbarin reicht‘s: „Die haben sehr wohl Bescheid gewusst“

Im Haus ihrer Tochter in Mayrhofen fristete eine wehrlose Frau ein elendes Dasein - niemand will etwas gewusst haben. Im Life Radio Exklusiv-Interview macht eine Nachbarin ihrem Ärger nun ordentlich Luft.

Mayrhofen – Das Drama um eine verwahrloste Frau im Zillertal (die Tiroler Tageszeitung berichtete) nimmt unglaubliche Ausmaße an. Während die Politik rund um Soziallandesrat Gerhard Reheis den Fall als „sehr bedauerlich, aber auch nicht wirklich zu verhindern“ bezeichnet und der Sozialsprengel Mayrhofen nichts bemerkt haben will, geht eine Nachbarin nun mit den Behörden hart ins Gericht: „Die haben sehr wohl Bescheid gewusst“, sagt Verena Mair, die den Fall um die bettlägrige 87-Jährige erst aufgedeckt hat.

Bereits Tage bevor die verwahrloste Zillertalerin von ihren Qualen befreit und ins Krankenhaus gebracht wurde hatte Mair den Sozialsprengel und die Gemeinde über die Zustände im Haus informiert. Die couragierte Nachbarin hatte sich Sorgen gemacht, da sie wusste, dass die alte Frau während der heißen August-Tage in diesem Haus liegt: „Die Rettung war zwei Mal in dem Haus. Die haben gesehen, unter welchen Umständen die Frau lebt“, sagt die Mayrhofnerin im Interview mit Life Radio Tirol.

Mair berichtet, dass die Rettung die 87-Jährige ins Freie gebracht hatte: „Sie haben ihre Mama in die frische Luft getan.“ Später hätte sich die Tochter dann an sie gewandt: „Sie hat gesagt, sie weiß nicht, wie sie die Mama allein ins Haus hinein bringen soll.“ Mair half und wurde erstmals mit der Lebenssituation der beiden Frauen vertraut: „Ich wusste ja nicht, dass die alte Frau so lebt. Da wurde mir klar, dass es sich um einen extremen Fall von Messie handelt. Überall war Müll, Müll, Müll“, betont die Nachbarin im Life Radio-Gespräch. „Ich habe die Tochter dann gebeten, ein Bett zu holen. Da war nirgendwo ein Bett. Sie schläft da auf dem Müll“, erklärt Mair die Situation, worauf die Tochter „ein Reisebett aus der Ferienwohnung geholt“ habe. Später sei die Rettung noch einmal vorbei gekommen.

Von offizieller Seite will jedoch niemand etwas von den Zuständen im Haus in Mayrhofen gewusst haben. Doch laut Verena Mair war das Gegenteil der Fall: Mair hatte sich bereits Tage bevor der Fall ans Licht kam telefonisch beim Sozialsprengel gemeldet. Beim Gespräch sei sie darauf hingewiesen worden, dass sie als Nachbarin die Kosten zu tragen hätte, sollte sie dem Sozialsprengel den Auftrag zum Nachsehen geben. „Dann haben sie gesagt, wenn das so ein schlimmer Fall ist, geht das den Bürgermeister etwas an.“

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Mair versuchte daraufhin ihr Glück im Gemeindeamt: „Zum Bürgermeister direkt bin ich nicht gekommen. Aber die Sekretärin hat gemeint, sie wird es dem Bürgermeister weiterleiten und der wird dem Sozialsprengel einen Auftrag geben. Die schauen dann vorbei“, berichtet die Zillertalerin von ihrem Telefonat. „Aber wie‘s ausschaut, ist da nichts in Bewegung gekommen.“

Doch Verena Mair gab nicht auf: „Ich hab dann fast eine Woche gebraucht und erst durch den Tierschutzverein, den ich wegen den Katzen angerufen hab, ist die Sache ins Laufen gekommen.“ Über den Tierschutzverein habe der Fall dann den Weg zur Polizei gefunden und die habe dann Maßnahmen veranlasst. Mair findet es „schrecklich“, dass die Verantwortlichen nun sagen, von alledem nichts gewusst zu haben.


Kommentieren