Russen erteilen Briten Absage und überraschen mit Exxon-Deal

Der Zusammenschluss ermögliche es, immense Summen zu investieren, um Ölfelder weit im Norden Russlands zu erschließen.

Sotschi/Moskau - Russlands größter Ölkonzern Rosneft und der US-Energieriese ExxonMobil wollen künftig gemeinsam in der Arktis nach Energiereserven suchen. Einen entsprechenden Vertrag hätten die Chefs beider Konzern - darunter Exxon-Chef Rex Tillerson - am Dienstag unterzeichnet, teilte Russlands Premierminister Vladimir Putin in Sotschi am Schwarzen Meer mit. „Die heutigen Ereignisse werden selbstverständlich positiv von den internationalen Energiemärkten aufgenommen werden, denn es öffnen sich neue Horizonte“, sagte Putin russischen Nachrichtenagenturen zufolge, als er das überraschende Geschäft verkündete.

Der Zusammenschluss ermögliche es, immense Summen zu investieren, um Ölfelder weit im Norden Russlands zu erschließen. Rosneft besitze die Felder bereits, sei aber auf technologische Hilfe von außen angewiesen, um dort den wertvollen Rohstoff auch zu fördern. Dem russischen Unternehmen öffne die Zusammenarbeit mit ExxonMobil unterdessen einen langfristigen Zugang zu den Märkten in den USA und am Golf von Mexiko.

Das Abkommen hat ein Volumen von 3,2 Mrd. Dollar (2,2 Mrd. Euro) und sieht die Erschließung von Vorkommen in der Karasee - einem Teil der Arktis - sowie im Schwarzen Meer vor. Zugleich werden Rosneft Beteiligungen an Projekten von Exxon angeboten, darunter im Golf von Mexiko und Texas.

Rosneft erteilt BP Absage

Der Staatskonzern Rosneft gab am 17. Mai dieses Jahres bekannt, seine Pläne für eine Partnerschaft mit BP nach langen Verhandlungen mit den bisherigen russischen BP-Partnern aufzugeben. Die geplante Allianz zwischen BP und Rosneft hatte Russlands Ministerpräsident Vladimir Putin Anfang des Jahres verkündet. Gemeinsam wollten die Unternehmen nach Öl in der Karasee suchen. Rosneft kann theoretisch über die dortigen Ölreserven verfügen, die zu den größten unerschlossenen Vorkommen gehören. Praktisch fehlen dem Konzern aber die Technik und das Wissen, um das Öl auch zu fördern.

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BP ist in Russland bereits seit langem mit dem Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP aktiv, an dem der britische Konzern und eine Gruppe russischer Milliardäre jeweils die Hälfte halten. Diese Teilhaber, die sich zu der Investorengruppe AAR zusammengeschlossen haben, wehrten sich gegen die neue Abmachung von BP in Russland. Sie verhinderten die Vereinbarung gerichtlich - und ließen sich nun offenbar auch nicht von BP und Rosneft aus TNK-BP herauskaufen, wie es die beiden Konzerne geplant hatten.

Dieser langwierige Widerstand habe Rosneft dazu bewogen, das Projekt aufzugeben, sagte ein Rosneft-Verantwortlicher. BP und AAR wurden von der Absage durch Rosneft offenbar überrascht: Die Nachricht von dem Ausstieg von Rosneft kam nur wenige Augenblicke, bevor sie eine anscheinend längerfristig vorbereitete Mitteilung veröffentlichten. Darin erklärte AAR-Teilhaber Michail Fridman, BP, AAR und Rosneft diskutierten weiter über eine Zusammenarbeit.

Büros von BP in Moskau durchsucht

Die russische Justiz hat am Mittwoch die Büros des britischen Ölkonzerns BP in Moskau durchsuchen lassen. Es gehe darum, Dokumente für ein Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen in Sibirien sicherzustellen, teilte die Justiz laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit. Im sibirischen Tjumen verhandelt ein Schiedsgericht ab Mitte Oktober über die geplatzte Zusammenarbeit zwischen BP und dem russischen Ölriesen Rosneft bei der Erkundung von Ölvorkommen in der Arktis.

Vor dem Schiedsgericht in Tjumen verlangt ein Aktionär von TNK-BP nun eine Entschädigung wegen des geplatzten Deals in Höhe von 87 Mrd. Rubel (2,09 Mrd. Euro) von BP. Ein Anwalt dieses Aktionärs sagte der Nachrichtenagentur Interfax, BP habe für die Gerichtsverhandlung wichtige Dokumente nicht zur Verfügung gestellt.

Statt BP wird nun ExxonMobil zusammen mit Rosneft in der Karasee in der Arktis nach Öl bohren. In der schwer zugänglichen Arktis werden riesige Vorkommen vermutet, die mit dem Klimawandel und dem damit einhergehenden Abschmelzen des Eises durch Tiefseebohrungen ausgebeutet werden könnten. (APA/AFP/Reuters)


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