Wieder Razzien in syrischer Oppositionshochburg

In der syrischen Oppositionshochburg Hama sind Soldaten der Regierung Anrainern zufolge erneut gegen Oppositionelle vorgegangen. Aus Protest gegen das gewaltsame Vorgehen der Regierung erklärte der Generalstaatsanwalt der Stadt in einem auf Youtube veröffentlichten Video seinen Rücktritt.

In der Nacht auf Donnerstag hätten Sicherheitskräfte und ultraloyale Milizen den zweiten Tag in Folge Häuser durchsucht, berichteten Bewohner. „Die Razzien sind willkürlicher geworden“, sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. Die Bewohner würden „Gott ist der Größte“ aus Fenstern und von Dächern rufen.

Der Generalstaatsanwalt der Stadt erklärte, kurz vor einer Militäroffensive Ende Juli seien im Gefängnis der Stadt 72 Demonstranten und Aktivisten getötet worden. Mindestens 420 weitere Menschen seien später getötet und in Massengräbern in öffentlichen Parks verscharrt worden. Es wäre die erste Distanzierung eines hochrangigen Staatsangestellten im seit fünf Monaten andauernden Aufstand gegen Präsident Bashar al-Assad. In staatlichen Medienberichten hieß es, der Generalstaatsanwalt sei von bewaffneten Gruppen entführt worden.

Hama liegt rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus und gilt als Hochburg des Widerstands. Eine Überprüfung der Angaben ist nur schwer möglich, da die Regierung ausländische Journalisten ausgewiesen hat.

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Hama war einer der ersten Orte, in dem das Militär zu Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan eine Offensive gegen Oppositionelle eingeleitet hat. Hier hat das Militär zudem 1982 ein Massaker verübt, als es auf Befehl von Assads Vater, Präsident Hafez al-Assad, einen Aufstand von Muslimbrüdern niederschlug.


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