Vorwürfe gegen Norwegens Polizei nach Attentat

Gegen Norwegens Polizei werden nach dem Massaker auf der Insel Utöya immer massivere Vorwürfe erhoben. Die Zeitung „Aftenposten“ berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Behördenkreise, dass entgegen offiziellen Angaben am 22. Juli ein Polizeihelikopter für einen umgehenden Einsatz gegen den Massenmörder Anders Behring Breivik bereitstand, aber nicht genutzt wurde.

Breivik hatte an diesem Tag eine Bombe in der Innenstadt von Oslo gezündet und anschließend ein Blutbad auf der Fjordinsel Utöya angerichtet. Dort tötete er 69 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers. Für das Massaker hatte Breivik nach dem ersten Polizeialarm bis zur Festnahme um 18.27 Uhr rund eine Stunde Zeit. Nach den Angaben von „Aftenposten“ war bereits etwa um 16.30 Uhr in Oslo ein Polizeihubschrauber einsatzbereit. Die Mannschaft habe sich sofort nach Bekanntwerden des Bombenangriffs auf das Regierungsviertel aus dem Urlaub zurückgemeldet. Sie wurde nach den Zeitungsangaben von der Polizeiführung erst um 19.16 nach Utöya beordert und habe für den Flug acht Minuten benötigt.

Ein früheres Mitglied der Hubschrauberbesatzung berichtete, dass er an Übungsflügen teilgenommen habe, bei denen zusätzlich auch Scharfschützen der Eliteeinheit Delta mitflogen. Diese auf Anti-Terroreinsätze spezialisierte Einheit wurde nach dem Alarm wegen des Massakers auf dem Landweg von Oslo nach Utöya geschickt. Sie musste mit Booten vom Festland auf die Insel übersetzen.

Eine Polizeisprecherin wollte die Vorwürfe auf Anfrage nicht kommentieren. Sie verwies auf die Äußerung des zuständigen Stabschefs Johan Fredriksen in „Aftenposten“. Er sagte der Zeitung: „Sollte es sich bei unseren laufenden Untersuchungen zeigen, dass wir den Hubschrauber schneller in der Luft hätten haben können, kann die Polizei dafür kritisiert werden.“

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