„Flop des Jahres“: Töchterle will Uni-Voranmeldung verbessern

Wissenschaftsminister Töchterle will die verpflichtende Voranmeldung reformieren. Von der ÖH kommt scharfe Kritik. Die Rektoren klagen über ein nutzloses Instrument.

Wien - Wissenschaftsminister Töchterle will das heuer erstmals eingesetzte Instrument einer verpflichtenden Voranmeldung an den Universitäten gemeinsam mit den Unis verbessern. Er hält das Prinzip „gut“, will aber für eine abschließende Bewertung noch die endgültigen Inskriptionszahlen abwarten. Die Voranmeldung brachte unterdessen teilweise exorbitant hohe Zahlen.

Allerdings habe „durch die Unverbindlichkeit für die Studieninteressierten oder künftigen Studierenden die Voranmeldung den Unis offensichtlich nicht die gewünschte Erhöhung der Planbarkeit gebracht“, erklärte Töchterle. Verbesserungen erhofft sich der Minister durch den Ausbau der Studienberatung, die ab dem Wintersemester 2012 erstmals bei der Inskription nachgewiesen werden muss. Bei der Studienberatung setzt Töchterle „sehr stark auf die ÖH, die sich in den vergangenen Jahren ein umfassendes Know-how auf diesem Gebiet erarbeitet hat“, wie er nach einem Treffen mit dem Leitungsteam der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) betonte.

„Erster Schritt“

Die ÖH sieht in dem Treffen mit dem Minister den „ersten Schritt, um in Zukunft den Hochschulraum gemeinsam zu gestalten“. Dennoch wiederholte die ÖH am Donnerstag ihre Kritik an dem neu eingeführten, verpflichtenden System. „Die Hochschulen bewusst zu belasten und Studierende durch willkürlich gesetzte Fristen derart unter Druck zu setzen, ist für uns nicht nachvollziehbar“, so Martin Schott (Fachschaftslisten) vom ÖH-Vorsitzteam in einer Aussendung. Die ÖH sieht in dem Voranmeldesystem eine „pure Geldverschwendung“ und konstatiert: „Die Voranmeldung ist der Flop des Jahres!“

Töchterle sollte jetzt bewusst sein, dass es sinnvoll und notwendig sei, die Expertise der Studentenvertretung zu nutzen, meinte Angelika Gruber vom Vorsitzteam der ÖH.

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In der Nacht auf Donnerstag, um Mitternacht, hat die Frist für die erstmals verpflichtende Voranmeldung für ein Studium im Wintersemester 2011/12 geendet. Nun sind die ersten Zahlen da - und sie sind teilweise exorbitant hoch. So gingen an der Universität Wien knapp mehr als 40.000 Anmeldungen für Studien ein, die von etwa 30.000 Studieninteressenten kommen. Die Zahl der Interessenten ist damit mehr als doppelt so hoch wie jene der tatsächlichen Studienanfänger im Vorjahr (2010: 14.800).

Situation in Innsbruck

Auch an der Uni Innsbruck ist man mit einer großen Anzahl an Voranmeldungen konfrontiert: Die Zahl der vorangemeldeten Personen beläuft sich auf 11.081 und ist damit fast doppelt so groß wie jene der Erstsemestrigen im Vorjahr. An der Wirtschaftsuniversität Wien wurden 8.360 Vorangemeldete gezählt. Darunter sind 5.600, die ein Bachelorstudium anfangen wollen (2010: etwa 4.150 Neuzugelassene).

Der Chef der Universitätenkonferenz (uniko), Hans Sünkel, forderte daher im APA-Gespräch eine „Nachjustierung“ der Voranmeldung für das kommende Jahr. „Ich könnte mir vorstellen, das man eine Prioritätenreihung durchführt, einerseits in Bezug auf die zu wählenden Studienangebote, als auch in Bezug auf die zu besuchenden Universitäten“, sagte Sünkel.


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