„ Ich bin nicht erpresst worden“: Berlusconi verteidigt sich

Die Sexaffäre holt Italiens Premier wieder ein. Er habe dem „Frauen-Vermittler“ nur finanziell aus der Patsche helfen wollen, erklärt Berlusconi.

Rom – Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird erneut von den Sexaffären eingeholt, die seit 2008 sein politisches Ansehen schwer angekratzt haben. Die Festnahme des süditalienischen Unternehmers Giampaolo Tarantini und dessen Ehefrau wegen des Vorwurfs, Berlusconi erpresst zu haben, wirft einen neuen Schatten auf das Image des Regierungschefs. Der Premier bestreitet jedoch, wegen seines Privatlebens erpress worden sein.

Tarantini soll von Berlusconi eine halbe Million Euro für Falschaussagen über Callgirls kassiert haben, die in seiner römischen Residenz verkehrten. Tarantini hatte im Jahr 2008 das Escortgirl Patrizia D‘Addario und mehrere andere junge Frauen in Berlusconis Residenz Palazzo Grazioli und in seine Villa auf Sardinien eingeladen. Berlusconi hatte stets behauptet, er habe D‘Addario als Freundin Tarantinis kennengelernt. Er habe nicht gewusst, dass es sich um eine Prostituierte handelte. Laut den Ermittlern bezahlte Berlusconi den Unternehmer, damit er diese Version bestätige.

Ein Teil der Summe, die Tarantini angeblich erhielt, soll in die Taschen des skandalumwitterten Chefredakteurs der Tageszeitung „L‘Avanti“, Valter Lavitola, geflossen sein. Dieser habe den 34-jährigen Unternehmer Methoden zur Bestechung Berlusconis empfohlen haben. „Wir müssen Berlusconi unter Druck halten“, sagte Lavitola in einem von den Ermittlern abgehörten Telefongespräch. Die Staatsanwaltschaft Neapels erließ einen Haftbefehl gegen Lavitola, der sich jedoch im Ausland befindet. Über einen Rechtsanwalt versicherte der Angeklagte, dass er unschuldig sei.

Berlusconi dementierte, dass er Tarantini infolge einer Erpressung bezahlt habe. „Ich habe lediglich Tarantini und seiner Familie geholfen, die sich in großen finanziellen Schwierigkeiten befanden. Ich habe nichts Illegales getan“, betonte der Milliardär.

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Tarantini hatte 2009 als „Frauen-Vermittler“ für die Partys des Medienzaren für Schlagzeilen gesorgt. Der hagere Unternehmer aus Bari soll dem Premier über 30 junge Frauen für Partys in seinen Villen in Rom und Sardinien vermittelt haben. Wegen Drogenhandels war Tarantini im vergangenen Juni zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden.

Die italienische Opposition reagierte empört auf die Ermittlungen. „Italien hat einen erpressten und erpressbaren Ministerpräsidenten. Das ist keine politische Angelegenheit, sondern eine Staatsaffäre. In einem anderen Land wäre er schon längst zurückgetreten“, protestierte der Senator der Oppositionspartei PD (Demokratische Partei), Luigi Zanda. „Callgirls, Frauen-Beschaffer, Party-Organisatoren: In keiner anderen Demokratie der Welt könnte sich ein Premier derartige Bekanntschaften erlauben. Das internationale Ansehen Italiens ist ruiniert. Wir werden von einer Witzfigur regiert“, sagte der Oppositionspolitiker. (APA)


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