Beifall für Cronenbergs Freud-Film in Venedig

Nach Roman Polanskis „Carnage“ mit Christoph Waltz ist am Freitag der zweite Wettbewerbsfilm mit Österreich-Bezug bei den Filmfestspielen von Venedig präsentiert worden. David Cronenbergs „A Dangerous Method“, der auf einem Theaterstück basiert, wurde teilweise in Wien gedreht - nicht zuletzt in der Berggasse 19, der ehemaligen Heimstatt von Sigmund Freud.

Der Begründer der Psychoanalyse wird von Viggo Mortensen verkörpert, sein Schweizer Counterpart C.G. Jung von Michael Fassbender. Als dieser sich in seine Patientin Sabina Spielrein verliebt, gespielt von Keira Knightley, entstehen Risse in der intensiven Beziehung der beiden Mediziner. Bei der Pressevorführung erhielt das etwas zähe Drama starken Applaus.

Leider konnte der Beifall aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Geburtswehen der Psychoanalyse nicht nur ungewöhnlich brav für Cronenberg-Verhältnisse verfilmt wurden, sondern der Film auch sonst einige Schwächen aufweist. Die innere Spannung der Akteure vermag der Regisseur etwa nur selten in eine dramaturgische Spannung zu verwandeln, auch visuell bleibt der Film abgesehen von der Schweizer Landschaft und den Wiener Herrscherbauten die meiste Zeit über sehr uninspiriert. Am störendsten wirkt sich jedoch aus, dass man Keira Knightley als einer der Protagonistinnen ihre Rolle über die gesamte Zeit hinweg nicht abkauft. So funktioniert der dialoglastige Film im Wesentlichen über die Leistungen von Fassbender, Mortensen und nicht zuletzt Vincent Cassel in der Gastrolle des Otto Groß.

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