Serben und Albaner nehmen Kosovo- Verhandlungen in Brüssel wieder auf

Es sind die ersten Verhandlungen seit den gewaltsamen Ausschreitungen an der Grenze.

Brüssel - Serben und Albaner haben am Freitag in Brüssel unter EU-Vermittlung erstmals seit den gewaltsamen Ausschreitungen an der Grenze neue Verhandlungen über den Kosovo-Konflikt aufgenommen. Sie sollen zur Entspannung nach den neuen Gewaltausbrüchen Ende Juli beitragen. Klare Ergebnisse sind die Voraussetzung dafür, dass Serbien wie gewünscht bis Ende des Jahres EU-Beitrittskandidat werden kann.

Bei den von Brüssel vermittelten Gesprächen werde eine Einigung über die Zollstempel des Kosovos und über die von Serbien nach Belgrad gebrachten Grundbücher erwartet, berichtete der serbische Delegationsleiter Borislav Stefanovic. Auf keinen Fall werde er Verhandlungen über die zwei umkämpften Grenzübergänge im Nordkosovo zustimmen, die vorübergehend von der internationalen Schutztruppe KFOR kontrolliert werden und die für den kommerziellen Warenverkehr gesperrt sind. Stefanovic‘ kosovarische Kollegin Edita Tahiri sagte, Serbien müsse sich „entscheiden, ob es die europäischen Richtlinien und Werte achten will“.

Frieden, Sicherheit und Stabilität fördern

EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle sagte am späten Donnerstagabend, die Gespräche müssten zu Ergebnissen führen, „die das Leben der Menschen verbessern sowie den Frieden, die Sicherheit und die Stabilität in der Region fördern“. Die Anerkennung der kosovarischen Unabhängigkeit sei zwar keine „formale Bedingung“ für einen Beitritt Serbiens zur Europäischen Union. Es brauche aber „Lösungen für viele bestehende Probleme, die eine Normalisierung der Beziehungen bisher verhindern“.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor zehn Tagen in Belgrad verlangt, Serbien müsse sich ganz aus dem Kosovo zurückziehen, bevor es sich weiter der EU annähern könne. Staatspräsident Boris Tadic hatte das eindeutig abgelehnt.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Streitigkeiten Stolperstein für EU-Beitritt

Das Treffen unter EU-Vermittlung ist das sechste seiner Art. Serbien wurden zuletzt nach der Auslieferung der mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic und Goran Hadzic an das Tribunal der Vereinten Nationen für das frühere Jugoslawien in Den Haag Fortschritte auf seinem Weg in die Europäische Union bescheinigt. Die Streitigkeiten mit seiner früheren Provinz Kosovo sind aber weiter ein Stolperstein.

Die frühere serbische Region Kosovo hat sich vor drei Jahren als unabhängig erklärt und ist inzwischen von rund 90 Staaten, darunter 22 der 27 EU-Staaten, völkerrechtlich anerkannt. Die Serben bilden dort nur noch eine zehnprozentige Minderheit. Im Nordkosovo stellen sie dagegen die Mehrheit und werden von ihrem „Mutterland“ Serbien unterstützt. Die Kosovo-Regierung in Pristhina hat deshalb im Norden keinen Einfluss.


Kommentieren


Schlagworte