EU will Zuckerquoten 2016 abschaffen

Die EU will offenbar das regulierte Zuckerpreis- und Mengensystem in Europa abschaffen

Brüssel, Frankfurt – Die gegenwärtigen Zuckerquoten, die 2015 auslaufen, sollen nach einem Vorschlag der EU-Kommission ein Jahr später abgeschafft werden, wie zwei mit den Plänen vertraute EU-Vertreter am Freitag sagten. Das Quotensystem solle nur noch bis Ende September 2016 verlängert werden, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Die Pläne sollen bis zum 12. Oktober veröffentlicht werden. Ein Sprecher von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos wollte sich nicht zu dem Plan äußern, verwies aber darauf, dass Ciolos schon länger ein Ende des Systems erwäge.

Auch Experte Sergej Guduschnikow vom Welt-Zuckerverband ISO zeigte sich wenig überrascht. In der Branche wurde das Vorhaben dennoch teilweise mit Erstaunen aufgenommen. Der unangefochtene europäische Marktführer Südzucker hat sich stets für eine Verlängerung starkgemacht. Ein Sprecher des Mannheimer Unternehmens wollte sich zunächst nicht zu dem Vorstoß aus Brüssel äußern.

Die Zuckerhersteller profitieren von den Quoten, indem sie ihnen eine verlässliche Kalkulationsbasis und gut berechenbare Absatzchancen geben. Die Zuckerrübenbauern erhalten einen garantierten Mindestpreis. Zucker für die Lebensmittelindustrie muss zu 85 Prozent aus dem gemeinsamen Markt kommen, für die Firmen in der EU gilt hier de facto ein Exportverbot. Die Quote hat allerdings an Bedeutung verloren, seit der Weltmarktpreis wegen der hohen Nachfrage deutlich über dem festgelegten Preis in der EU liegt. In diesem Jahr war es dadurch sogar zu Engpässen in Europa gekommen. Südzucker hat sich kürzlich an dem britischen Zuckerhändler und -hersteller ED&F Man beteiligt, um das Geschäft außerhalb der EU auszubauen.

Die EU-Kommission rechnet nach einer Aufgabe des Systems mit einer Ausweitung der Zuckerrüben-Anbaufläche um 1,9 Prozent bis 2020 in Europa, nach der Auswirkungsstudie wird der Preis gleichzeitig um 8,2 Prozent sinken. In der großen Marktreform 2006 hatte die EU die Produktionsquoten um ein Drittel gesenkt, um der Überproduktion Einhalt zu gebieten. Der Export werde um 6,9 Prozent zunehmen, die Zuckereinfuhren um 4,7 Prozent sinken - trotzdem werde die EU mehr Zucker importieren als ausführen. ISO-Experte Guduschnikow sagte: „Ich glaube nicht, dass die Rübenbauern in Europa ihre Felder vergrößern werden, aber sie werden flexibler handeln.“ (APA/Reuters)


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