Bolt feiert mit WM-Titelverteidigung über 200 Meter Auferstehung

Dem Jamaikaner konnte am Samstag über die 200-m-Distanz keiner das Wasser reichen.

Daegu - Bolt hat Gold! Sechs Tage nach seinem kapitalen Fehlstart hat Jamaikas Supersprinter die Fans versöhnt und seinen WM-Titel in Daegu über 200 Meter triumphal verteidigt. Nach 19,40 Sekunden endete der Sturmlauf des Usain Bolt auf Bahn 3 - seine Mitläufer hatten im Finale nicht die Spur einer Chance.

Der 25-Jährige verfehlte seinen zwei Jahre alten Berliner Weltrekord am Samstag nur um 21/100 Sekunden. Seine zweite Goldchance bei den 13. Leichtathletik-Weltmeisterschaften hat der schnellste Mann der Welt an diesem Sonntag in der abschließenden 4 x 100-Meter-Staffel.

„Das war wunderschön. Vielen Dank!“, jubelte der alte und neue Weltmeister nach seiner Ein-Mann-Show auf der himmelblauen Bahn. Beim ersten Interview noch im Stadion tänzelte der große Junge von der Karibikinsel noch ganz aufgedreht vor der Reporterin herum. Auf der Ehrenrunde hatte er zuvor mit den Fotografen Fangen gespielt.

Erster Verlierer in einem spannungsgeladenen Finale war US-Meister Walter Dix (19,70). Hinter dem übermächtigen 100:1-Favoriten Bolt hatte Silber für den Amerikaner aber fast schon Goldglanz. Als Dritter schaffte auch Frankreichs Europameister Christophe Lemaitre in 19,80 Sekunden noch den Sprung aufs Treppchen. Bolt rannte die viertschnellste 200-Meter-Zeit überhaupt, nur er und Michael Johnson waren jemals schneller auf der halben Stadionrunde.

Der im Kurzsprint dramatisch gestrauchelte Held stand enorm unter Druck, auch wenn er beim „Warm-Up“ im Halbfinale regelrecht in den Endlauf spaziert war. Für Bolt sprach, dass er seit dem 14. September 2007 kein Finale auf seiner Lieblingsstrecke mehr verloren hat.

Doch der Spaßvogel hat auch seine ernsten Momente. Nach dem Halbfinale ging Bolt in sich und gab zu: „Es gibt eine Grenze für die Show. Aber ich mache das für die Fans, und so lange sie sich nicht beschweren, ist das kein Problem.“

Hochklassiger Wettkampftag

Auch wenn Bolt mit der Art und Weise seiner Titelverteidigung über 200 m in 19,40 Sekunden (JWBZ) alles überragt hat - es gab am Samstag weitere hochklassige Leistungen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Daegu (Südkorea). In 12,28 Sekunden gewann die Australierin Sally Pearson Hürden-Gold. Und die Russin Anna Tschitscherowa entthronte die Kroatin Blanka Vlasic im Hochsprung.

Top-Favoritin Pearson hatte schon im Halbfinale in 12,36 angedeutet, dass an diesem Abend eine absolute Topzeit drinnen ist. Im Endlauf setzte sie noch einmal zu und kam mit neuer Jahresweltbestzeit bis auf 7/100 Sekunden an den Weltrekord heran.

„Ich habe alles gegeben, auch in der Vorbereitung. Es war alles so anstrengend. Ich war mir sehr sicher, dass ich alles richtig mache. Und es hat auch perfekt geklappt“, freute sich Pearson, die nun die viertschnellste Frau über diese Strecke ist. Die US-Amerikanerinnen Danielle Carruthers und Dawn Harper holten sich in 12,47 Silber und Bronze.

Vlasic war gehandicapt von einer Oberschenkelverletzung nach Südkorea gereist, sie strebte nach Osaka (2007) und Berlin (2009) nach ihrem dritten WM-Gold. Für Tschitscherowa, die wie Vlasic 2,03 m überquerte, aber weniger Fehlversuche hatte, ist es hingegen der erste Titel.

Deutsche triumphieren im Speerwurf

Auch im Speerwurf der Männer wurde der Weltmeister in die Schranken gewiesen. Der Deutsche Matthias De Zordo schleuderte sein Arbeitsgerät auf 86,27 m, der Norweger Andreas Thorkildsen (84,78) fügte bitter enttäuscht statt des erhofften Goldes dieses Mal Silber seiner Sammlung zu. „Silber ist der zweite Platz. Das heißt, ich habe verloren.“

Die US-Amerikanerinnen Sanya Richards-Ross, Allyson Felix, Jessica Beard und Francena McCorory holten sich die 4x400-m-Staffel in der Jahresweltbestzeit von 3:18,09 Minuten vor Jamaika (3:18,71) und Russland (3:19,36). Felix komplettierte damit ihren persönlichen Daegu-Medaillensatz, über 400 m hatte sie Silber, über 200 m Bronze gewonnen.

Der kenianische Triumphzug auf der Straße und auf der Bahn geht weiter, über 1500 m siegte Asbel Kiprop in 3:35,69 Minuten vor Landsmann Silas Kiplagat (3:35,92) und dem Überraschungsdritten Matthew Centrowitz aus den USA (3:36,08). Damit hält das afrikanische Land bei sechs Goldmedaillen und war so erfolgreich wie nie. Über 50 Kilometer Gehen war der Russe Sergej Bakulin in 3:41:24 Stunden nicht zu schlagen. (APA, dpa)


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