Im September droht der neuerliche Absturz für die Weltwirtschaft

Der IWF und die Weltbank warnen, und die Anleger zittern: Schuldenkrise, schlechte Konjunkturzahlen und miserable Daten vom US-Jobmarkt könnten im traditionell schwachen September den Ausschlag geben – nach unten.

New York – Die US-Konjunktur ist das Top-Thema an den internationalen Märkten. Und diese zeigte sich in den vergangenen Wochen und Monaten nachhaltig, andauernd und hartnäckig als schlecht und frustrierend. Hinzu kommen schlechte Daten vom Jobmarkt: 9,1 Prozent beträgt die US-Arbeitslosenquote im letzten Monat. Sie stieg zwar nicht an, doch sank sie auch nicht ab. Ergo: Die USA konnten keine neuen Jobs schaffen, die Märkte begaben sich auf Talfahrt - und das gleich weltweit.

Die Politik hat längst erkannt, dass sie sich wieder massiv in das Geschehen einmischen muss, um ein weiteres Abrutschen der Daten in Richtung Rezession zu verhindern. Höhepunkt im Kampf gegen die Abwärtsspirale wird in der kommenden Woche eine Rede von US-Präsident Barack Obama sein, der am Donnerstag im Kongress seinen Plan zur Ankurbelung der US-Wirtschaft und zur Schaffung von bis zu einer Million Arbeitsplätzen vorlegen möchte.

„Bereits nach den Arbeitsmarktdaten vom Freitag haben die Märkte stark verloren. Da kann man gespannt sein, was Barack Obama zu sagen hat“, sagt Klaus Stabel, Research Leiter bei der Handelsbank ICF Kursmakler, der deutschen Financial Times.

Schwarzer September droht

Allen Beteiligten scheint die Brisanz der Situation deutlich zu sein. Nach dem mittleren Beben am Freitag könnte bereits am Montag deutlich mehr folgen. Denn der September ist traditionell ein Monat, in dem es an den Märkten bergab geht. Und neben den USA gibt es da auch noch Europa mit seiner Schulden- und Euro-Krise, die in ihrer Ausprägung Ergebnis einer handlungsunfähigen Politik sind.

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Weltbankpräsident Robert Zoellick schlägt angesichts dieser für die Märkte bedrohlichen Mischung Alarm: Für die globale Wirtschaft besteht das Risiko, „in diesem Herbst in eine neue Gefahrenzone“ zu rutschen, sagte er am Samstag auf einer Konferenz in Peking. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnt gar vor einem Rückfall in die Rezession.

Über den Sommer habe der IWF eine neue Vertrauenskrise festgestellt, welche die wirtschaftliche Lage weltweit belaste, sagte Lagarde dem „Spiegel“. Deshalb müssten Maßnahmen ergriffen werden, „um eine drohende Abwärtsspirale abzuwenden“. Lagarde plädierte dafür, „dass die Länder ihren Sparkurs anpassen und wachstumsfördernde Maßnahmen ins Auge fassen“.

„Ernste Auswirkungen“

„Die Finanzkrise in Europa ist eine Staatsschuldenkrise geworden, die ernste Auswirkungen auf die Währungsunion, Banken und die Wettbewerbsfähigkeit einiger Staaten hat“, sagte Robert Zoellick in einer Rede bei dem Wirtschaftstreffen, das sich mit den künftigen Herausforderungen für China beschäftigte. „Mein Land, die Vereinigten Staaten, muss die Probleme mit seinen Schulden, den Ausgaben, der Steuerreform zur Förderung des Privatsektors und einer festgefahrenen Handelspolitik anpacken.“

Zoellick betonte, in einer globalen Wirtschaft hätten die Entscheidungen, die in Europa, den USA und auch in China getroffen werden, Auswirkungen auf alle. Politiker müssten nicht nur kurzfristig denken, sondern auch Entscheidungen über die mittel- und langfristigen Motoren für Wachstum und Innovation treffen.

Als Wirtschaft mit derzeit Einkommen im oberen Mittelfeld sei China in einer guten Ausgangslage, in den nächsten 15 bis 20 Jahren zu den Ländern mit hohen Einkommen aufzuschließen, sagte Zoellick. Das Land könne sich in Zukunft aber nicht mehr auf das alte, durch Export und Investitionen getriebene Wachstumsmodell stützen.

Entscheidend für den Kurs, den die Weltwirtschaft nimmt, werden wohl die kommenden Tage sein. Alle Augen richten sich dabei auf Barack Obama. Von den Europäern dürfen hingegen nur wenige Impulse erwartet werden. (tt.com, AP, APA)


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