Zweifel an Griechenland-Sanierung drücken Börsen

Die europäische Schuldenkrise lastet auch in der neuen Woche auf den Aktienmärkten und dem Euro. In Asien lagen die wichtigsten Börsenbarometer am Montag deutlich im Minus.

Frankfurt - Zweifel an der Rettung Griechenlands haben die internationalen Börsen am Montag auf Talfahrt geschickt. Vor allem Finanzwerte zogen die Aktienmärkte in Europa und Asien nach unten. Der Euro fiel auf ein Mehrmonats-Tief. Rohstoffe wie Erdöl und Kupfer gerieten ebenfalls unter Verkaufsdruck. Auf der Suche nach sicheren Anlagehäfen deckten sich Investoren mit Bundesanleihen und Gold ein.

Die Griechenland-Krise hängt weiter wie ein Damoklesschwert über den Märkten. „Börsianer sind besorgt, dass die Hilfszahlungen und der strikte Sparkurs nicht ausreichen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen oder Wachstum zu generieren“, sagte Aktien-Händler Jonathan Sudaria von Capital Spreads. Europa brauche einen größeren und besseren Rettungsschirm, betonte Alec Letchfield, Chief Investment Officer bei HSBC Asset Management. „Aber das Problem ist, dass sich 17 Regierungen auf etwas einigen müssen“, gab er zu bedenken.

Griechenland-Gespräche noch nicht beendet

Dem griechischen Haushaltsentwurf für 2012 zufolge wird das hoch verschuldete Land seine mit den Geldgebern vereinbarten Defizit-Ziele in diesem und dem kommenden Jahr verpassen. Ein Insider sagte Reuters, dass die Gespräche der Troika aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit der Athener Regierung noch nicht beendet seien. Vor einigen Wochen war die Experten-Gruppe wegen mangelnder Fortschritte bei den Sanierungsbemühungen abgereist. Vom ihrem Votum hängt ab, ob Griechenland weitere Hilfen erhält.

Der Dax fiel am Tag der Deutschen Einheit um bis zu vier Prozent auf 5.289 Punkte. Der EuroStoxx50 gab in der Spitze 3,3 Prozent auf 2.108 Zähler nach. Im Gegenzug schossen die beiden Volatilitäts-Indizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, um jeweils rund sieben Prozent in die Höhe. Die Tokioter Aktienbörse schloss knapp zwei Prozent im Minus.

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Euro im Achteinhalb-Monats-Tief

Am Devisenmarkt fiel der Euro zeitweise auf ein Achteinhalb-Monats-Tief von 1,3310 Dollar. „Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ist eine Büchse der Pandora, die niemand öffnen will“, sagte Analyst Teppei Ino von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. „Während einige Märkte dies schon eingepreist zu haben scheinen, sieht es so aus, als ob der Euro noch einiges vor sich hat.“

Aus Furcht vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise forderten Investoren höhere Risikoaufschläge für Anleihen einiger europäischer Staaten. Die Spreads der zehnjährigen Papiere Griechenlands, Spanien und Italiens zogen an. Dank des anhaltenden Ansturms auf Bundesanleihen legte der Bund-Future 75 Ticks auf 137,24 Punkte zu.

Edelmetall im Aufwind

Gold - die Antikrisen-Währung schlechthin - verteuerte sich auf 1654 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Preise der meisten anderen Rohstoffe gaben dagegen nach wegen der wieder zunehmenden Rezessionsängste. So verbilligten sich die beiden Rohöl-Sorten WTI und Brent um jeweils rund ein Prozent auf 78,25 beziehungsweise 102,14 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für eine Tonne Kupfer brach zeitweise sogar um 5,5 Prozent auf 6.635 Dollar ein und lag damit auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2010.

Bankenindex gab nach

Sechs der zehn größten EuroStoxx50-Verlierer gehörten zur Finanzbranche. Der europäische Bankenindex gab 3,5 Prozent nach. Commerzbank bildeten mit einem Minus von sechs Prozent auf 1,79 Euro das Schlusslicht im Dax. Deutsche Bank gaben vier Prozent nach.

Die Verluste von Raiffeisen Bank und Erste Bank lagen in ähnlicher Größenordnung. Am härtesten traf es Dexia, deren Aktien zeitweise mehr als 14 Prozent einbrachen. Dem belgisch-französischen Finanzkonzern, der einer der größten ausländischen Besitzer griechischer Staatsanleihen ist, droht die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. (APA/Reuters)


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