Gericht lehnt Berlusconis Antrag auf Aussetzung des Ruby-Prozesses ab

Ein zweites Verfahren um die junge Marokkanerin beginnt im November. Dabei müssen sich drei Vertraute des Premiers vor Gericht verantworten.

Rom – Das Mailänder Schwurgericht hat am Montag den Antrag des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi auf Aussetzung des sogenannten Ruby-Prozesses abgelehnt, bei dem der Premier wegen Sex mit einer minderjährigen Marokkanerin angeklagt ist. Berlusconis Rechtsanwälte hatten die Aussetzung des Prozesses gefordert, bis sich das Verfassungsgericht in Rom bei einem am 7. Februar 2012 geplanten Urteil über die Zuständigkeit des Mailänder Schwurgerichts über den Fall ausspricht. Die Mailänder Richter lehnten den Antrag ab, der Prozess wird daher in Mailand fortgesetzt.

Die Rechtsanwälte Berlusconis sind der Ansicht, dass ein spezielles Ministergericht für den Fall zuständig sei. Ein Ministergericht würde Berlusconi mehr Recht auf einen fairen Prozess garantieren, meinen die Anwälte. Die Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini, die die Ermittlungen im Fall Ruby geführt hatte, lehnte die Forderung der Verteidiger des Premiers ab. Bei einem Schnellverfahren wie im Ruby-Prozess dürfe man aus politische Erwägungen keine Zeit verlieren. Das Verfahren müsse weitergeführt werden.

Berlusconi war bei der Fortsetzung des Ruby-Prozesses nach der Sommerpause nicht anwesend. Der Prozess kreist um die Sexaffäre zwischen dem 75-jährigen Premier und der 2010 noch minderjährigen Marokkanerin Karima el-Marough alias „Ruby Herzensbrecherin“. Die Mailänder Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, das Mädchen bei ausschweifenden Partys zwischen Februar und Mai 2010 für Sex bezahlt zu haben. Berlusconi soll zudem sein Amt missbraucht haben, um Rubys Freilassung zu erwirken, als diese wegen Diebstahlverdachts in Polizeigewahrsam war. Dieser Prozess hatte am 6. April begonnen.

Während der Ruby-Prozess wieder aufgenommen wurde, beschäftigte sich zur gleichen Zeit eine Mailänder Untersuchungsrichterin um ein parallel laufendes Verfahren, bei dem drei Vertrauensleute Berlusconis angeklagt sind. Der bekannte Chefredakteur der Tagesschau TG 4, Emilio Fede, der Showgirl-Manager Lele Mora und die Regionalpolitikerin Nicole Minetti werden beschuldigt, Callgirls, darunter Ruby, für Partys in der Villa Berlusconis in Mailand vermittelt zu haben. Den drei Berlusconi-Vertrauten wird Beihilfe zur Prostitution vorgeworfen. Ein Prozess gegen die drei soll am 21. November beginnen, beschloss Untersuchungsrichterin Maria Grazia Domanico.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Vor der Richterin erschien am Montag das marokkanische Model Imame Fadil, das seit dem letzten Sommer mit den Mailänder Staatsanwälten zusammenarbeitet und ihnen über die Hintergründe der Partys bei Berlusconi berichtet hatte. Sie will als Nebenklägerin am Prozess teilnehmen und vor Gericht aussagen. Die 26-jährige Fadil hatte unter anderem berichtet, dass zu Berlusconis Partys neben Ruby weitere Minderjährige eingeladen waren, darunter auch die ehemalige Miss Montenegro Katarina Knezevic. Die heute 20-Jährige hatte vor wenigen Tagen im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ behauptet, dass sie mit Berlusconi verlobt sei und mit ihm in seiner Mailänder Residenz lebe. (APA)


Kommentieren


Schlagworte