Buchhalter brachte Bergbahnen im Pongau um 600.000 Euro

Der 55-Jährige legte im Prozess ein Geständnis ab. Er wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Salzburg – Ein mittlerweile pensionierter Buchhalter soll ein Seilbahnunternehmen im Salzburger Pongau 18 Jahre lang durch Malversationen um insgesamt rund 600.000 Euro geschädigt haben. Die Staatsanwaltschaft warf dem 55-jährigen Pongauer heute, Montag, bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg schweren gewerbsmäßigen Betrug und Diebstahl sowie Datenfälschung und Fälschung von Beweismitteln vor. Der Ende Mai 2009 fristlos entlassene Mitarbeiter zeigte sich vor dem Schöffensenat reumütig geständig. Er wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren - davon ein Jahr unbedingt - nicht rechtskräftig verurteilt.

Um sich eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen, habe sich der Angeklagte von 1990 an Mehrleistungen verrechnet, die er gar nicht erbrachte, wie zum Beispiel Überstunden, Prämien und Provisionen. Zudem soll er für private Anschaffungen in die Kasse der Bergbahnen gegriffen haben. Laut Staatsanwältin Maria Lindbichler ist dem Unternehmen durch den angeklagten Betrug ein Schaden von rund 300.000 Euro entstanden, durch den Diebstahl ein Schaden von 292.000 Euro.

Schon in seiner erster Arbeitssaison habe er bemerkt, dass Manipulationen leicht zu bewerkstelligen seien, schilderte der 55-Jährige, der für das Rechnungswesen der Bergbahnen allein verantwortlich war. Zuerst habe er auch tatsächlich Mehrleistungen erbracht, diese seien aber von der Geschäftsführung nicht akzeptiert worden. Dann habe er nicht geleistete Überstunden einfach mitgeschrieben und sich diese ausbezahlen lassen. „Ich habe gesehen, das ist einfach gegangen. Ich legte die erhöhten Beträge vor, die dann von der Geschäftsleitung gegengezeichnet wurden. Die drei Vorstände haben das so akzeptiert, ohne zu kontrollieren. Ich war auch in vielen Vereinen tätig und habe für diese Arbeiten Papier und Druckerpatronen über die Firma bestellt.“

Warum er sich überhaupt bereichert habe, wollte Richter Andreas Posch wissen. „Meine Partnerin in der Familie hat mit finanziellen Mitteln nicht umgehen können“, rechtfertigte sich der seit kurzem geschiedene Angeklagte. Anfangs wurde allerdings gegen den damaligen Bergbahnen-Chef ermittelt. Er musste den Hut nehmen, das Verfahren gegen ihn wurde aber eingestellt. In Verdacht geriet der Buchhalter, der sogleich geständig war. Als Schadenswiedergutmachung übertrug er seine Liegenschaft an die Bergbahnen. „Er hat auf einen Schlag alles verloren: Sein Haus, seine Arbeit und seine Familie“, sagte seine Verteidigerin. (APA)

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