Blutiges Ende einer Geiselnahme im Irak

Beim Sturm auf eine Polizeidirektion, in der sich die Terroristen mit ihren Geiseln verschanzt hatten, starben am Montag elf Menschen.

Ramadi/Mossul – Terroristen haben im Irak am Montag einen Gebäudekomplex der Sicherheitskräfte in der westlichen Ortschaft Ortschaft Khan al-Baghdadi gestürmt und 25 Geiseln genommen. Insgesamt starben bei dem Sturm auf die Polizeidirektion und der anschließenden Befreiungsaktion durch die Polizei elf Menschen. Zuvor war in Berichten von 15 Geiseln und mindestens 13 Toten die Rede gewesen. Bei Anschlägen im Irak sind am Sonntag zudem sieben weitere Menschen getötet worden, darunter ein Christ und vier Mitglieder einer Miliz, die gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida kämpft.

Die Terroristen schickten vor der Geiselnahme nach Angaben der Polizei zwei Selbstmordattentäter vor, die sich am Eingang des Gebäudekomplexes in die Luft sprengen sollten. Einer von ihnen zündete einen Sprengstoffgürtel. Er riss einen Polizisten und einen Zivilisten mit in den Tod. Der zweite Attentäter wurde von der Polizei erschossen, bevor er seinen Sprengsatz zünden konnte.

Dann stürmte laut Polizei eine Gruppe von sieben Geiselnehmern ins Innere des Gebäudekomplexes. Sie setzten 25 Polizisten und Offiziere fest, die später in einer gemeinsamen Aktion von Polizei und Armee befreit wurden. Alle Geiselnehmer seien getötet worden, hieß es. Eine zweite Geiselnahme im Haus eines Polizeikommandanten in der nahe gelegenen Stadt Hit endete nach diesen Angaben ebenfalls mit einer Befreiungsaktion der Polizei. Dabei seien zwei Geiselnehmer getötet worden, hieß es.

In der Region Nibai, etwa 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad, detonierte indes in der Früh eine am Straßenrand abgelegte Bombe, wie die Polizei mitteilte. Dabei seien zwei Angehörige der Anti-Al-Kaida-Miliz Sahwa ums Leben gekommen. Als zwei weitere Sahwa-Mitglieder und zwei Zivilisten den Opfern zu Hilfe eilten, kamen sie der Polizei zufolge bei der Explosion einer zweiten Bombe ums Leben. Ein Vertreter eines Krankenhauses bestätigte die Opferzahl.

Zwar ist die Gewalt im Irak seit dem Jahr 2007 deutlich zurückgegangen. Attentate kommen aber noch immer häufig vor. Die Sahwa-Miliz gehört zu den irakischen Clans, die sich 2006 dem Kampf gegen Al-Kaida angeschlossen haben.

Ein weiteres Todesopfer gab es am Sonntagnachmittag bei einem Angriff in der nordirakischen Stadt Mossul. Dort hätten mit Pistolen Bewaffnete einen Christen erschossen, sagte ein örtlicher Polizist. Ein Sprecher der Sicherheitskräfte sagte in der Nacht auf Montag, der Mann habe in einem Restaurant gearbeitet. Mehrere Männer seien in das Lokal eingedrungen und hätten das Feuer auf den Christen eröffnet.

In den vergangenen Jahren hatten Terroristen in Mossul regelrecht Jagd auf Angehörige der christlichen Minderheit gemacht. Viele Christen haben die Stadt inzwischen verlassen. Sie leben heute entweder im kurdischen Norden des Landes, in den christlichen Dörfern außerhalb von Mossul oder im Ausland.

In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden am Wochenende nach Kathpress-Angaben erneut zwei Christen ermordet. Wie der römische Missionspressedienst „AsiaNews“ am Montag demnach berichtete, wurde ein 30-jähriger am Sonntag im Muthana-Viertel auf offener Straße von einer Gruppe Unbekannter mit Pistolenschüssen getötet. Bereits am Samstag war ein Leichnam an der Ausfallstraße nach Bagdad entdeckt worden. Auch er wies ebenfalls Schussverletzungen auf.

„Die Angriffe auf Christen gehen weiter, unter völligem Schweigen der Welt“, erklärten Christen-Vertreter laut Kathpress gegenüber „AsiaNews“. Die Behörden blieben faktisch untätig. Inzwischen gehörten Entführungen von Christen mit Lösegeldforderungen, gezielte Morde und Anschläge auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen zum Alltag in Kirkuk, schrieb der Pressedienst unter Berufung auf örtliche Kirchenkreise. (APA/dpa/Reuters/AFP)


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