Kredite zur Studienfinanzierung? Minister Töchterle nicht abgeneigt

In der Debatte um Studiengebühren fällt immer öfter das Schlagwort Studiendarlehen. Wissenschaftsminister Töchterle kann sich dies vorstellen.

Wien – Hochschulforscher Hans Pechar plädierte am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung im Wiener Managementclub dafür, die Familienbeihilfe nach dem 18. Lebensjahr nicht mehr auszubezahlen. Dafür soll aber ein umfassendes Darlehenssystem für Studenten geschaffen werden.

Für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) ist dieser Vorschlag ein „diskussionswürdiges Thema“. Ein derart „großer Wurf“ sei jedoch politisch brisant, er will sich deshalb vorerst auf die Neukonzipierung der Studienbeiträge als „kleine Lösung“ konzentrieren.

Vorschläge für Reformen

Für Pechar, der in dem Managementclub-Sammelband „Reformen ohne Tabu“ Vorschläge für Reformen der heimischen Bildungslandschaft ausgearbeitet hat, sind Studiendarlehen wegen der potenziell höheren Einkommen von Hochschulabsolventen durchaus gerechtfertigt. Er will aber „keine marktradikale Lösung“, sondern fordert ein sozialverträgliches, großzügiges Rückzahlungsmodell mit geringer Zinsbelastung.

Für Töchterle ist ein solches Modell der Kreditvergabe an Studierende in seinen Grundzügen „durchaus stimmig“. Eine derartige Systemänderung müsse jedoch „sehr breit überlegt“ und mit anderen Ressorts diskutiert werden, sie werfe auch tiefgreifende rechtliche Fragen auf.

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Töchterle für mehr Selektion

In Sachen Hochschulzugangs sprachen sie Töchterle wie Pechar für Aufnahmeverfahren aus. Bei einer Maturantenquote von etwa 40 Prozent sei der freie Hochschulzugang nur schwer aufrechtzuerhalten, so der Hochschulforscher. Selektion am Übergang zur universitären Bildung sei daher unumgänglich und würde die Universitäten entlasten.

Töchterle führte ins Treffen, dass derartige Selektionsmechanismen in fast allen übrigen EU-Staaten bereits Realität seien. Das Feststellen der Studienreife möchte der Minister zunehmend in die aufnehmenden Institutionen, also die Hochschulen, verlagern. Wie solche Aufnahmeverfahren im Detail aussehen könnten, soll aber den Unis überlassen bleiben.

Bei der angekündigten Hochschulmilliarde für die Jahre 2013 bis 2015 stehe er „in aussichtsreichen Verhandlungen“, betonte Töchterle. Die öffentliche Hand sei damit punkto Hochschulfinanzierung auf „einem guten Weg“. Gleichzeitig müsse aber von privater Seite mehr finanzielles Engagement in Form von „Hochschulbeiträgen“ kommen. (APA)


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