Ex-Chef von Versicherungsdienst wegen Untreue vor Gericht

Der 57-Jährige soll fast zwei Millionen Euro an Vermittlungsprovisionen abgezweigt haben. Dem Tiroler drohen zehn Jahre Haft.

Innsbruck – Wegen Untreue hat sich am Dienstag ein ehemaliger Geschäftsführer einer zu einem Tiroler Bankinstitut gehörenden Versicherungsdienstgesellschaft am Innsbrucker Landesgericht verantworten müssen. Der 57-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft von 1999 bis 2008 Vermittlungsprovisionen nicht an die GmbH weitergeleitet, sondern selbst davon profitiert haben. Der Schaden soll demnach bei 1,9 Millionen Euro liegen. Bei einer Verurteilung drohen dem Tiroler bis zu zehn Jahre Haft.

Der Angeklagte legte ein „objektives Tatsachengeständnis“ ab, bestritt aber den Vorwurf der Untreue. Seine Vorgangsweise habe den gültigen „Provisionsbestimmungen“ entsprochen, meinte der Beschuldigte gegenüber Richterin Verena Offer und dem Schöffensenat. Verträge, die Provisionen zur Folge hatten, seien von jedem Mitarbeiter rechtskonform in der Freizeit abgeschlossen worden. Bei den von ihm abgeschlossenen Deals habe die Versicherungsgesellschaft sieben Prozent des zehnprozentigen Provisionsanteils erhalten, drei Prozent seien an ihn geflossen, führte der Tiroler die Vorgangsweise bei der Splittung aus. Seiner Aussage nach sei dies mit dem Einverständnis der Bank geschehen.

Ab 2009 sei ihm vonseiten der Bank aus Unvereinbarkeitsgründen untersagt worden, die Splittungen in seinem Fall so fortzuführen. Danach habe er das Provisionskonto auf die Gesellschaft seiner Ehefrau umgestellt und das Provisionsgeschäft dort fortgeführt. Die Verantwortlichen des Bankinstituts habe er darüber nicht informiert. „Das wäre naheliegend gewesen. Aber ich wollte mir alle möglichen Diskussionen ersparen“, meinte der seit Mai 2008 entlassene Geschäftsführer. 800.000 Euro an Provisionen habe er bereits zurückgezahlt, versicherte der Beschuldigte.

Die Staatsanwaltschaft sprach im Eröffnungsplädoyer davon, dass der Angeklagte seine Befugnis als Geschäftsführer „wissentlich missbraucht“ habe. Der 57-Jährige habe zudem einen „bedingten Schädigungsvorsatz“ gehabt. Bei der Untersagung der Fortführung der Provisionsgeschäfte durch das Bankinstitut sei der „formelle gesetzliche Weg“ nicht eingehalten worden, meinte hingegen die Verteidigung des Angeklagten. Es habe sich um eine ungesetzliche Weisung gehandelt, da kein Vorstandsbeschluss vorlag.

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Der Prozess ist für drei Tage anberaumt. Als weitere Verhandlungstage waren der 13. und 18. Oktober festgelegt worden. (tt.com, APA)


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