Großinvestor George Soros unterstützt Wall-Street-Proteste

Der schwerreiche Börsenspekulant sympathisiert mit den Tausenden Menschen, die derzeit in den USA gegen das Finanzsystem demonstrieren.

US-Investor Geroge Soros beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2011.
© KEYSTONE

New York – Tausende Menschen demonstrieren in den USA derzeit gegen einen ganzen Katalog von Dingen, die nach ihrer Ansicht in den USA und dem Rest der Welt falsch laufen: Das Wirtschaftssystem, die Sozialpolitik, die Justiz, die Klimapolitik - vor allem aber die Macht der Banken.

Die Aktion „Occupy Wall Street“, „Besetzt die Wall Street“, begann gar nicht in der Börsen- und Bankenstraße, sondern 150 Meter weiter nördlich im Zuccotti Park, einer kleinen Grünfläche am Broadway. Es war auch alles andere als eine Massenbewegung. Nur eine Handvoll Studenten begann vor zwei Wochen ihren Protest gegen die Macht der Banken.

Immer mehr Anhänger

Immer mehr Menschen schlossen sich an, nicht nur in New York, sondern auch in Boston, Seattle, Chicago, San Francisco, Atlanta, Los Angeles und anderen Städten. Und immer mehr Themen kamen hinzu: Die Situation an den Schulen und die allgegenwärtige Energieverschwendung in den USA, Datenschutz und Rassismus.

„Es hat noch immer klein angefangen“, sagt die 61-jährige Eleanor Buckley, die an Jugendliche in Chicago Getränke und Essen verteilt. „In unserer Generation gingen die Leute wegen Vietnam auf die Straße - und wir haben die Dinge verändert. Jetzt passiert hier dasselbe.“ Die Zeit werde zeigen, welches Ausmaß die Proteste noch annähmen.

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Spendenflut

Auf die unterschiedlichsten Weisen stärken Passanten den Protestierenden den Rücken. Autofahrer hupen aufmunternd, und eine regelrechte Spendenflut hat eingesetzt. Die Unterstützer seien „sehr großzügig“, schwärmt die Kunststudentin Victoria Sobel, die spontan ins Finanzkomitee delegiert wurde. „Wir haben wohl schon an die 35.000 Dollar (26.553 Euro) erhalten.“

„Wir wollen Wall Street gar nicht abschaffen“, sagte Jackie Fellner der „Bloomberg Businessweek“. „Das ist nicht arm gegen reich. Es ist dagegen, dass das große Geld diktiert, wer gewählt und was beschlossen wird.“ Die 32-Jährige ist selbst Managerin, hat sich dem Protest aber angeschlossen.

Ebenso wie Denise Martinez, einer Lehrerin: „Die Ursache des Protests ist, dass die Banken hier an der Wall Street und anderswo die wirtschaftlichen Probleme verursacht haben, sich aber nicht an der Lösung beteiligen.“ Die Manager würden schon wieder Millionen kassieren, während sie Klassen mit 50 Schülern unterrichten müsse, beklagte Martinez.

Soros sympathisiert mit Bewegung

Zuspruch erhalten die Demonstranten jetzt auch von unerwarteter Seite. Der US-Großinvestor und Multimilliardär George Soros gab bekannt, dass er mit der Bewegung sympathisiere. Soros sagte, er verstehe die Frustration von Kleinunternehmern, die mit immer höheren Zinsen für ihre Kreditkarten kämpfen, während Bankmanager schon wieder Millionen-Boni einstreichen. (siha, dpa)


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