Moody‘s stuft Kreditwürdigkeit von Italien deutlich herab

Die Verbindlichkeiten seien zu hoch, die wirtschaftlichen Aussichten zu schlecht, so die Ratingagentur. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone sitzt auf Schulden von rund 1,9 Billionen Euro.

Rom - Die Ratingagentur Moody‘s hat die Kreditwürdigkeit von Italien angesichts der Skepsis an den Finanzmärkten deutlich herabgestuft. Die Bonitätswächter begründeten die Absenkung des Ratings um drei Stufen von „Aa2“ auf „A2“ am Dienstag mit ökonomischen Unsicherheiten. Die Risiken für die italienische Wirtschaft seien gestiegen. Moody‘s warnte zudem vor weiteren Herabstufungen, indem die Agentur das Rating mit einem negativen Ausblick versah. Auch anderen Ländern der Euro-Zone drohen der Agentur zufolge weitere Herabstufungen.

Der Euro gab in Folge der Ankündigung von Moody‘s zum Dollar nach, erholte sich aber später wieder. Ministerpräsident Silvio Berlusconi erklärte, die Herabstufung sei erwartet worden. Die Regierung arbeite daran, die von der EU-Kommission abgesegneten Budgetziele zu erreichen.

Im September hatte die Ratingagentur Standard & Poor‘s die Kreditwürdigkeit Italiens von „A+“ auf „A“ herabgestuft. Als Grund verwies S&P auf pessimistischere Prognosen für das italienische Wirtschaftswachstum. Der Ausblick sei „negativ“, teilte S&P damals mit. „Die Herabstufung spiegelt unserer Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider“, begründete S&P den Schritt. Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus, um gegenzusteuern. Der Regierung Berlusconi bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Das entspricht 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung - daran gemessen ist nur Griechenland in der Euro-Zone höher verschuldet.

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„Das ungewisse Marktumfeld sowie das Risiko einer weiteren Eintrübung der Investorenstimmung könnte den Zugang des Landes zu den Anleihemärkten behindern“, erklärte Moody‘s. Falls es eine längerfristige Ungewissheit über die Verfügbarkeit externer Finanzierungsquellen gebe, könne sich die Kreditwürdigkeit Italiens daher noch deutlich verschlechtern, auch wenn die Gefahr eines Zahlungsausfalls bisher sehr gering sei.

Auch anderen Euro-Ländern drohen weitere Herabstufungen

Im Hinblick auf die gesamten Euro-Zone erklärte Moody‘s, der Druck auf die Bonitäten der Länder habe seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Mit Ausnahme der finanzkräftigsten Schuldner würden voraussichtlich alle Länder einen anhaltenden negativen Druck auf ihre Ratings verspüren. Derzeit jedoch gebe es noch keine unmittelbare Gefahr für Länder mit der Bestnote „AAA“ - zu ihnen zählt auch Österreich.

Für dieses Jahr erwartet die Regierung in Rom ein Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen. Für 2013 wird ein ausgeglichenes Budget angepeilt. Die enormen Schulden haben Italien ins Visier der Finanzmärkte gerückt: Das Land muss Anlegern historisch hohe Zinsen zahlen. (APA/Reuters/dpa)


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