Banken misstrauen einander und parken Geld bei EZB

Europäische Banken trauen einander immer weniger über den Weg und parken deshalb immer mehr Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank, anstatt es anderen Banken zu leihen. In der Nacht zum Mittwoch vertrauten sie der Notenbank mehr als 213 Milliarden Euro an (zu Dienstag: 209), das ist die höchste Summe seit Mitte Juli 2010.

Für diese Übernachtkredite zahlt die EZB 0,75 Prozent an Zinsen, Banken am Geldmarkt legen dafür derzeit knapp ein Prozent hin. Händler sprachen von einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“: Die als vertrauenswürdig eingestuften Banken hätten zu viel Liquidität, die anderen kämen immer schwerer an Geld. Dies zeigte sich auch an der regen Inanspruchnahme des Wochentenders der EZB; bei dem sich die europäischen Geldhäuser am Dienstag fast 200 Mrd. Euro zu einem Zins von 1,5 Prozent geliehen hatten.

Die Entwicklung am Geldmarkt erinnere an die Situation 2008, als die Institute sich so sehr misstrauten, dass das Interbankengeschäft praktisch zum Erliegen gekommen war. „Der Unterschied ist, dass damals einzelne Häuser betroffen waren, heute stehen einzelne Länder kurz vor dem Abgrund“, sagte ein Händler.

Der Tagesgeldsatz bewegte sich Disponenten zufolge zwischen 0,85 und 0,90 Prozent nach 1,0 bis 1,05 Prozent am Dienstag. Händler sagten, dies sei eine übliche Entwicklung zu Monatsbeginn.

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