Vom Protest einer Handvoll Studenten zur Massenbewegung

Auch Gewerkschaften haben sich den Protesten gegen soziale Ungerechtigkeit in den USA mittlerweile angeschlossen. Tausende demonstrierten am Mittwoch in New York, dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

New York – Bei der bislang größten Kundgebung gegen die Macht der Banken in New York sind nach Medienberichten 28 Menschen festgenommen worden. Dabei kam es am Mittwochabend (Ortszeit) auch zu Handgreiflichkeiten zwischen Demonstranten und der Polizei. Auf einem Video, das auf Youtube gestellt wurde, ist zu sehen, wie ein Polizist scheinbar grundlos mit einem Gummiknüppel auf Aktivisten einprügelt.

An der Demonstration beteiligten sich mehrere Tausend Menschen. In Sprechchören forderten sie unweit des Rathauses höhere Steuern für Konzerne und für Reiche sowie einen Umbau des Sozialsystems zugunsten ärmerer Schichten, der Bildung und der Umwelt. Polizisten schätzten die Menge auf 5000 bis 7000 Menschen. Offizielle Zahlen gab es nicht.

Den einigen Dutzend Aktivisten der Aktion „Occupy Wall Street“ („Besetzt die Wall Street“) schlossen sich Gewerkschaften sowie Nachbarschafts- und Mietervereine an. Ihnen allen ist die Macht der Banken zu groß und deren Beitrag zur Beilegung der Wirtschaftskrise zu gering.

„Wall Street hat schuld“, skandierten die Demonstranten immer wieder in Sprechchören. Redner forderten ein neues Steuersystem, das vor allem die Finanzhäuser zur Kasse bitte. „Was wir heute haben, ist nicht fair, nicht fair, nicht fair“, rief eine Rednerin. „Macht dieses Land sozial“, sagte ein anderer.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

„Reichen sollen gerechten Anteil zahlen“

Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie „Besteuert Wall Street“ oder „Die Reichen sollen ihren gerechten Anteil zahlen“ mit sich. Es waren aber auch einige Dutzend Plakate zu sehen mit Aufschriften wie „Wir kämpfen für Sozialismus“.

Die Tendenz der Bewegung ist links. Es haben sich aber Dutzende Gruppen mit den unterschiedlichsten Zielen angeschlossen wie dem Kampf für die Umwelt oder gegen die Todesstrafe, für bessere Bildung oder gegen Stützungsprogramme für Großunternehmen. Auch US-Präsident Barack Obama war Ziel von Spott und Kritik. Von anderen Demonstranten bekam er aber auch Unterstützung.

Breite Bevölkerungsschicht schließt sich an

An den Demonstrationen beteiligen sich inzwischen der große Gewerkschaftsverband AFL-CIO und viele Einzelgewerkschaften. Auch lokale Gruppen wie Vereinigungen von Krankenschwestern, Lehrern und anderen Berufsgruppen sind dabei.

„Wir sind die 99 Prozent, die die Gier und Bestechung des einen Prozents nicht mehr hinnehmen wollen“, heißt es in Aufrufen in Anspielung auf Amerikas reichstes Prozent der Bevölkerung. Da läuft einfach was falsch. Dieses Land ist so reich und trotzdem geht es vielen so dreckig“, schimpft Paul Derose. „Ich war immer Demokrat“, sagt er nachdenklich. „Aber im nächsten Jahr habe ich nur die Wahl zwischen „ganz furchtbar“ und „noch übler“.“

Kundgebung in Washington geplant

Die Protestbewegung gewinnt auch in anderen Städten an Kraft: Zu Demonstrationen kam es inzwischen auch in anderen Städten wie Boston, Philadelphia und Baltimore im Osten des Landes über St. Louis im Mittleren Westen bis hin nach Los Angeles, Seattle und San Francisco an der Westküste. Für diesen Donnerstag war eine Kundgebung in der Hauptstadt Washington geplant. (red, dpa)


Kommentieren


Schlagworte