Kampf bis zum Tod oder Exil: Wie Saddam will Gaddafi nicht enden

Experten sind sich einig, dass Libyens gestürzter Machthaber Muammer al-Gaddafi niemals kapitulieren wird.

Algier - Beim Denken an die Zukunft wird der gestürzte libysche Machthaber Muammar Gaddafi das Schicksal seines irakischen Amtskollegen Saddam Hussein vor Augen haben. Dieser wurde Monate nach seiner Entmachtung 2003 verdreckt aus einem Erdloch gezogen und später gehenkt.

Wie Saddam am Galgen will Gaddafi nicht enden, zeigen sich Weggefährten überzeugt. „Er wird bis zuletzt kämpfen“, gibt sich der frühere Energie- und Industrieminister Fath Ben Schatwan sicher, dass Gaddafi sich nicht lebend in die Hände seiner Feinde begeben wird.

Suche in Grenzregionen

Die Übergangsregierung hat zur Jagd auf den Gestürzten aufgerufen und konzentriert die Suche - wohl auch mit Hilfe westlicher Geheimdienste - auf die Grenzregionen zu Niger und Algerien in der Sahara. Entscheidend für den Ausgang der Fahndung wird sein, wie der langjährige Staatschef seine schwindenden Möglichkeiten einschätzt. In seinem letzten Fernsehauftritt im September sagte er, sein Herrschaftssystem sei Ausdruck des Volkswillens, der nicht beseitigt werden könne.

Für Ex-Ministerpräsident Al-Baghdadi Ali al-Mahmudi ist das Beleg für die Entschlossenheit Gaddafis, nicht zu kapitulieren. In dieselbe Kerbe schlägt auch die Schriftstellerin Soad Salem. „Gaddafi wird der Illusion anhängen, dass er noch an der Macht ist und die Truppen der Übergangsregierung schlagen kann. Er wird den Verlust der Macht niemals anerkennen“, bescheinigt sie Gaddafi Realitätsverlust und liefert die Begründung gleich mit: „Er ist verrückt.“

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Ölindustrie als Schwachpunkt?

Trotz aller Exzentrik ist Gaddafi auch ein Pragmatiker, der seine Möglichkeiten genau einzuschätzen vermag. Experten halten deshalb eine Strategie der Nadelstiche vor allem gegen die lebenswichtige Ölindustrie für möglich. Das würde die Übergangsregierung an ihrer schwächsten Stelle treffen.

Ein Weg, die Rückkehr ausländischer Firmen zu verhindern, seien Anschläge gegen die Ölförderanlagen, gibt Alan Fraser von der Sicherheits- und Beratungsfirma AKE zu bedenken. Dafür bedarf es weder der Kontrolle eines Territoriums oder großer militärischer Stärke. Es reichen Geld, das Gaddafi in großer Menge beiseite geschafft haben soll, Waffen und ein gewisses Maß an Organisation.

„Ich bin sicher, dass einige Gaddafi-Anhänger sich der Gefangennahme entziehen und versuchen werden, die Entwicklung insbesondere in der Ölindustrie zu stören“, sagt Fraser voraus.

Der frühere britische Botschafter in Tripolis, Oliver Miles, zeigt sich ebenfalls überzeugt, dass Gaddafi nicht wie Saddam enden, sondern über sein Schicksal selbst bestimmen will. Er ahne, dass dem Libyer vorschwebe, still und heimlich in einem Nachbarland zu verschwinden und sich zur Ruhe zu setzen. Das Risiko, dort beim Lebensabend gestört zu werden, sei freilich groß. „Eine Alternative wäre es, in einen Bunker zu gehen, und sich in die Luft zu jagen.“ (Reuters)


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