Tomas Tranströmer bekommt Nobelpreis für Literatur

Der Schwede gilt seit langem international als einer der bedeutendsten Lyriker - und war in den vergangenen Jahren Dauerfavorit im Rennen um den Nobelpreis.

Stockholm – Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit.

Der 80-Jährige wurde laut Jurybegründung gewürdigt, „weil er uns mit seinen verdichteten, transparenten Bildern einen frischen Zugang zur Realität gibt.“

Tranströmer gilt seit langem international als einer der bedeutendsten Lyriker - und war in den vergangenen Jahren Dauerfavorit im Rennen um den Nobelpreis. Nun hat der schwedische Lokalmatador um die begehrteste Literaturauszeichnung für laute Jubelrufe bei der Verkündung in Stockholm gesorgt. „Tranströmer ist einer der größten Poeten unserer Zeit“, so Akademiesprecher Peter Englund.

Der Sohn einer schwedischen Journalistenfamilie studierte in den 1950er Jahren Psychologie, Literatur- und Religionsgeschichte in seiner Geburtsstadt Stockholm. Seinem erlernten Beruf als Psychologe blieb Tranströmer bis zu einem schweren Schlaganfall 1990 treu. Auch nach dem schriftstellerischen Debüt 1954 arbeitete er weiter als Anstaltspsychologe mit jugendlichen Straftätern. Später war er halbtags als Berufsberater in verschiedenen Arbeitsämtern tätig. Tranströmers Gedichtbände sind in rund 50 Sprachen übersetzt. Sein Gesamtwerk besteht aus weniger als 100 Texten.

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Tranströmer ist der achte Schwede, der von der Akademie für den Literaturnobelpreis erkoren wurde. Frühere Preisträger waren 1909 Selma Lagerlöf, 1916 Verner von Heidenstam, 1931 Erik Axel Karlfeldt, 1951 Pär Lagerkvist, 1966 Nelly Sachs, 1974 Eyvind Johnson und Harry Martinson.

Der frischgebackene Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer wurde von der glücklichen Nachricht „überrumpelt“, als ihm telefonisch die Zuerkennung des Nobelpreises mitgeteilt wurde, so Peter Englund, ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie, im schwedischen Fernsehen: „Er hörte gerade Musik, als ich ihn anrief“.

Tranströmers Ehefrau Monica - seit dem schweren Schlaganfall ihres Gatten gleichsam dessen Sprachrohr - beschrieb gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT die erste Reaktion ihres seit seines Schlaganfalls vor 21 Jahren sprachbehinderten Mannes als „glücklich und gerührt“. Der 80-jährige Dichter habe die Nachricht mit „sehr gemischten Gefühlen“ entgegengenommen. „Er glaubte nicht, dass er das erleben würde. Er sagt, auch, dass es in Ordnung ist, dass jetzt all die Leite kommen und ihm gratulieren und ihn fotografieren werden“, so die Frau des frischgebackenen Nobelpreisträgers.

Einhellige Freude herrschte in Schweden auch bei den Kollegen und Freunden des Ausgezeichneten. „Oh Gott, Ich bin überglücklich“, freute sich Annelie Edh, Sprecherin von Tranströmers Verlag Bonnier. „Das ist fantastisch, es ist wie ein Traum. Wir sind zu durcheinander, um das überhaupt zu begreifen“, beschied Jonas Axelsson, Chef der Literaturabteilung bei Bonnier.

Die mit zehn Millionen Kronen (knapp 1,1 Mio. Euro) dotierte Auszeichnung ging im Vorjahr an den peruanischen Autor Mario Vargas Llosa. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht. (APA/dpa)


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