Steve Jobs: „Großer Bruder“ aller technikverliebten Hipster

Mit der Einführung des Macintosh Computers vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde die Ästhetik bis hin in unsere Gegenwart definiert.

Innsbruck – Das Orwell`sche Minidrama aus dem Jahr 1984 spricht eine klare Sprache. Macintosh ist weit mehr als ein Computer – es ist eine Revolution, die für Freiheit, Kreativität, Nonkonformismus steht.

Kurz nach der futuristischen Dystopie von „Blade Runner“ (1982) drehte Regisseur Ridley Scott für Apple den Werbespot „1984“. Ein Film - von Kritikern gelobt und mehrfach ausgezeichnet -, der in den USA als der bekannteste Werbeclip aller Zeiten gilt. Der 60-Sekünder wurde unter anderem auch bei den Zitat-verliebten „Simpsons“ oder der US-Serie „Futurama“ parodiert beziehungsweise referenziert.

Gezeigt wurde der Spot, der den Macintosh-Computer einführte, allerdings nur einziges Mal in der Werbepause der US-Superbowl 1984: Eine Athletin - von einer Art Gedankenpolizei verfolgt - zerschlägt mit ihrem Hammer das Bild von „Big Brother“, der von einer Leinwand aus eine graue, uniforme Masse kontrolliert. „On January 24th, Apple Computer will introduce Macintosh. And you‘ll see why 1984 won‘t be like „1984“, so die Botschaft am Schluss des Clips. Eine klare Kampfansage an den damaligen Marktführer IBM.

„IBM will alles und zielt seine Waffen auf sein letztes Hindernis zur absoluten Kontrolle der Industrie. Wird IBM wirklich das Informationszeitalter dominieren? Hat George Orwell recht gehabt?“, mit diesen Worten präsentierte Steve Jobs damals den Werbespot vor einem ausgewählten Publikum. Im US-amerikanischen Fernsehen ist Apple´s „1984“ nie angelaufen: George Orwell´s Erben sahen darin eine schamlose Rechteverletzung der literarischen Vorlage aus dem Jahr 1948.

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Der bis in die Gegenwart reichende Einfluss des mit dieser Werbung lancierten Produktes ist jedoch unbestreitbar.

Der Medientheoretiker Lev Manovich führt in seinem Buch „The Language of New Media“ aus, wie im Abstand von nur zwei Jahren Ridley Scotts Techno-Noir-Klassiker „Blade Runner“ und das Interface des Macintosh Computers die Ästhetik bis hin in unsere Gegenwartskultur definiert haben.

Die dunkle, verrottete, „postmoderne“ Vision in „Blade Runner“ habe unsere Vision der Zukunft geprägt, schreibt Manovich in Anlehnung an Peter Lunenfeld. Kontrastierend zur futuristischen Film-Dystopie stehe die von Mac popularisierte Graphical User Interface (GUI) für die modernistischen Werte von Klarheit und Funktionalität. Mit der Einführung des Macintosh sind erstmals auch die Büro-Metaphern von Files, Ordnern und dem Papierkorb am PC etabliert worden. Klare Linien und Rechtecke dominierten von Anbeginn an Macintoshs GUI.

Die Einflüsse der Graphical User Interface reichen in nahezu alle anderen Bereiche: Seit dem Siegeszug des Internet werde alle Kultur, vergangen und gegenwärtig, durch den Computer mit seiner speziellen Mensch-Computer Interface gefiltert, so Manovich.

20 Jahre nach „1984“ hatte Apple den Werbespot in digital überarbeiteter Form neu verbreitet. Der Athletin wurde 2004 ein iPod hinzugefügt.

Auf Youtube wird unter „1984“ neben „R.I.P.“-Postings indes auch häufig auf eine angebliche Ähnlichkeit zwischen dem auf der Leinwand gezeigten „Big Brother“ und Steve Jobs hingewiesen. Die Art und Weise, wie Jobs die Massen verführte, sich iPods umzuhängen und iPads unterzuklemmen, ist aber auf jeden Fall unendlich viel kreativer.

(http://www.youtube.com/watch?v=OYecfV3ubP8)


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