Vulgärer Sager Berlusconis sorgt für Empörung in Italien

Berlusconi will bis 2013 im Amt bleiben. Ein „Scherz“ über die Umbenennung seiner Partei löste eine Welle der Empörung aus.

Rom – Der italienische Premier Silvio Berlusconi hat am Donnerstag erneut Rücktrittspläne dementiert. Bei einem Treffen mit Spitzenpolitikern seiner Regierungskoalition in Rom betonte der Premier, dass es keine Alternativen zu seinem Kabinett gebe.

Zudem sorgte Berlusconi, dessen Popularität zuletzt auf einen historischen Tiefstand gesunken war, mit einem vulgären Sager für eine Welle der Empörung.

„Forza Gnocca“

Er „scherzte“ über die Umbenennung seiner Mitte-rechts-Partei „Volk der Freiheit“ (PdL). Statt wie ursprünglich „Forza Italia“ sollte sie künftig „Forza Gnocca“ heißen, meinte er. „Gnocca“ ist ein Vulgärausdruck für das weibliche Geschlechtsteil.

„Man sagt mir, dass der Name, der in Italien den größten Erfolg hätte, ‚Forza Gnocca‘ ist“, betonte Berlusconi. Mit dem Slangausdruck „Gnocca“ wird im Italienischen auch eine attraktive Frau bezeichnet. „Forza Italia“ ist der Name der Partei, die Berlusconi 1994 bei seinem Einstieg in die Politik gegründet hatte. Seine Partei soll diesen Namen nun wieder bekommen.

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Opposition empört

Der fragwürdige Sager des 75-jährigen Premiers, gegen den in Mailand ein Prozess wegen Sex mit einer minderjährigen Marokkanerin läuft, sorgte für helle Empörung in der Opposition. „Berlusconis Vulgarität ist maßlos und hat schon längst die Grenzen des Zumutbaren erreicht. Seine Worte sind Ausdruck eines pathologischen Zustands. Einmal mehr ist uns allen klar, dass Berlusconi nicht in der Lage ist, in einer derartigen Phase des Notstands Italien zu führen“, sagte die Oppositionsparlamentarierin Vittoria Franco.

Lega-Nord-Chef für vorgezogene Wahlen

Umberto Bossi, Chef der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, hat sich erstmals offen für vorgezogene Parlamentswahlen ausgesprochen. „Es ist objektiv schwierig, dass die Regierung Berlusconi bis Ende der Legislaturperiode 2013 im Amt bleibt“, kommentierte er.

„Es ist schwierig, die Leute mit Einsparungen zu belasten und dann auf ihre Wählerstimmen zu hoffen. Es ist besser, dass man vor 2013 wählt“, sagte Bossi. Über Neuwahlen habe er auch mit Premier Silvio Berlusconi gesprochen. Bossi zeigte sich über die Lage in Italien besorgt: „Wir erleben schwierige Zeiten“. Ein weiteres Sparpaket zur Eindämmung der gewaltigen Staatsschuld schloss er nicht aus. (red, APA)


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