Herzensschlampereien und Gefühlsleichen

Der Einstand des Intendanten Martin Kusej am Münchner Residenztheater ließ zu wünschen übrig. Tobias Moretti verkörperte die Hauptrolle überzeugend.

München - Die Premiere von Arthur Schnitzlers Tragikomödie „Das weite Land“ Donnerstagabend am Münchner Residenztheater stieß beim Publikum auf freundliche Aufnahme. Vereinzelte Buh-Rufe gab es für die Regie.

Ein Theaterereignis, das einen aus den Sitzen reißt, erlebten die Zuseher nicht. Das lag vor allem an der mutlosen Regie des neuen Intendanten Martin Kušej, der die Schauspieler in ein enges Korsett schnürte und sie beinahe statisch agieren ließ.

Keine Kampfansage

Das meistgespielte Stück von Schnitzler war Ende September in Wien zu sehen, Kušej trat damit in offene Konkurrenz zur Wiener Kulturinstitution - doch eine Kampfansage sieht anders aus.

Das Spiel um Herzensschlampereien und Gefühlsleichen hat nichts von seiner Aktualität verloren, das arbeitete Kušej mit seinem Starensemble diszipliniert heraus - durch Mark und Bein ging die Aufführung trotz opulenter Bildersprache nicht.

Der Tiroler Schauspieler Tobias Moretti verkörperte die Hauptrolle des virilen und eiskalten Fabrikanten Friedrich Hofreiter überzeugend, enttäuschte aber hinsichtlich seines Facettenreichtums. (pla)


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