Doppelschlag: Fitch stuft Spanien und Italien herab, Märkte nervös

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von Italien herabgestuft. Die Bonitätswächter bewerten Italien nun mit „A+“. Der Ausblick wird negativ eingestuft. Das Rating von Spanien wurde um zwei Punkte auf „AA-“ gesenkt. Ausblick: Ebenfalls negativ.

Frankfurt, Paris, Madrid, Rom - In einem Doppelschlag hat die Ratingagentur Fitch wegen der Verschärfung der Schuldenkrise die Kreditwürdigkeit Italiens und Spaniens herabgestuft. Während die Bonität Italiens um eine Stufe auf die fünfthöchste Note „A+“ sinkt, wurde das Rating für Spanien um zwei Stufen auf die vierthöchste Note „AA-“ gesenkt. Portugal steht unter Beobachtung, eine weitere Herabstufung der Bonität auf das sogenannte „Ramsch-Niveau“ bleibt damit möglich.

Alle drei Entscheidungen teilte Fitch am Freitagabend in einem Abstand von nur wenigen Minuten mit. An den Finanzmärkten kam der Euro sofort spürbar unter Druck. In kurzer Zeit gab er mehr als einen Cent nach und stand zuletzt bei 1,3380 US-Dollar. Sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen erhielten hingegen Zulauf.

Fitch ist die kleinste der drei großen Ratingagenturen. Die Konkurrenten Standard & Poor‘s und Moody‘s hatten die Bonität Italiens bereits jüngst herabgestuft - zumindest dieser Schritt von Fitch ist also alles andere als eine Überraschung.

Spanien kam für Analysten überraschend

Analysten zeigten sich heute allerdings von der Herabstufung Spaniens verblüfft. „Die drei Ratingagenturen bringen ihre Bewertungen in Übereinstimmung und die Beweggründe sind ähnlich. Die wirkliche Überraschung heute ist Spanien, nicht Italien“, sagte Fabrizio Fiorini von Aletti. David Song von DailyFX erklärte: „Dies rückt die Staatsschuldenkrise wieder in den Fokus und die Herabstufung Spaniens Seite an Seite mit Italien erhöht die Risiken für eine Ansteckung.“ Der Euro könne in den kommenden Tagen unter die Marke von 1,30 Dollar fallen.

Ratingagentur schickt US-Börsen ins Minus

Fitch hat der Euro-Zone mit den schlechteren Länderratings heute jedenfalls den nächsten Schuss vor den Bug verpasst. Damit geriet Spanien nach einiger Zeit der verhältnismäßigen Ruhe wieder ins Visier der Finanzmärkte. Es ist wahrscheinlich, dass die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone nun höhere Kreditzinsen zahlen müssen. Die Bonitätssenkung schürte die Sorgen vor den Auswirkungen der Krise. Der Euro gab zum Dollar nach, der Ölpreis fiel und die US-Aktienmärkte weiteten ihre Verluste aus.

Fitch senkte die Bonität Spaniens um zwei Stufen auf „AA-“. Damit liegt die Bewertung auf einem Niveau mit Malta und der Slowakei. Der Ausblick ist negativ, was auf weitere mögliche Herabstufungen in der Zukunft hindeutet. Fitch rechnet damit, dass das spanische Wirtschaftswachstum bis 2015 weiter unter zwei Prozent liegt. Die Arbeitslosigkeit, die derzeit rund 20 Prozent beträgt, werde hoch bleiben. Trotz der gestiegenen Risiken stuft Fitch die spanischen Staatsanleihen weiter als sicher ein. Spanien leidet immer noch unter dem Zusammenbruch seiner Immobilienwirtschaft in Folge der Finanzkrise.

Italien wird von den Bonitätswächtern nun mit „A+“ und damit eine Stufe niedriger als bisher bewertet. Der Ausblick wird ebenfalls mit negativ eingestuft. Fitch begründete die Senkung der Bonität des schuldengeplagten Landes mit der Verschärfung der Krise in der Euro-Zone. Zugleich schrieb Fitch der Regierung ein unzureichendes Verhalten in der Krise zu. Es sei zu zögerlich auf die Ausweitung der Schuldenkrise reagiert worden, hieß es. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone und sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Zusätzliche Sorgen verursacht das chronisch niedrige Wirtschaftswachstum. Erst am Dienstag hatte Moody‘s wie zuvor auch S&P die Kreditwürdigkeit Italiens auf „A2“ gesenkt. Damit stufen Moody‘s wie auch S&P die Bonität des Euro-Mitgliedstaates niedriger als Fitch ein. Die Agenturen zweifeln an der Fähigkeit der Regierung von Silvio Berlusconi, die beschlossenen Haushaltsreformen umzusetzen. (APA/dpa/Reuters/dpa-AFX)


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