Muzicant sieht Arabischen Frühling mit Sorge

Der IKG-Präsident bekräftigt seine Kritik an der Unterstützung eines Palästinenserstaates. Österreichische Politiker seien bei diesem Thema „ahnungslos“.

Wien – Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, sieht den Arabischen Frühling „mit Sorge“. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Profil sagte Muzicant zur Entwicklung in Ägypten: „Ich sehe die Entwicklung mit Sorge. Der ägyptische Präsident (Hosni) Mubarak war zwar kein Freund, aber ein vertragstreuer Partner Israels. Die Frage ist, ob diese Vertragstreue jetzt auch weiterhin eingehalten wird.“

Normalerweise, so Muzicant, führten Demokratien zu weniger Kriegen, „aber bei dem, was wir jetzt sehen, sind wir von Demokratie noch Lichtjahre entfernt“. Und es habe im Nahen Osten immer die Strategie gegeben: „Wenn es mir schlecht geht, führe ich Krieg gegen Israel, um von meinen eigenen Problemen abzulenken.“ Diese Möglichkeit sei auch jetzt „so unwahrscheinlich nicht“.

Zu den Revolutionen in mehreren arabischen Ländern, die entgegen allgemeinen Erwartungen nicht unter der Fahne der Islamisten stattfanden, meinte der IKG-Präsident: „Warten Sie bis zu den ersten Wahlen. Dann haben Sie überall 35 Prozent Islamisten in den Regierungen.“

Kritik an Naivität österreichischer Parteien

Zugleich bekräftigte Muzicant seinen Ärger an der Unterstützung eines Palästinenserstaates durch SPÖ, Grüne, FPÖ und BZÖ, „weil es gerade fesch und modern ist“. Er werfe ihnen vor, „dass sie gar nicht wissen, wofür sie hier eigentlich eintreten. Viele österreichische Politiker sind ahnungslos, was das betrifft.“

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Er sei ebenfalls für einen palästinensischen Staat, da der Nahostkonflikt nur durch zwei Staaten für zwei Völker zu lösen sein, könne aber einen „Apartheidstaat mit rassistischer, religiöser und ethnischer Diskriminierung“ nicht akzeptieren, betont Muzicant.

„Sie brauchen nur einmal schauen, was die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen anrichtet: fast keine Pressefreiheit mehr, Menschenrechtsverletzungen, die niemanden aufregen. Wenn Sie von einem palästinensischen Staat reden, dann kann mir niemand garantieren, dass das nicht genauso in der Westbank passiert“, warnte Muzicant.

Zur weiteren Entwicklung im Nahost-Konflikt meinte der IKG-Präsident: „Die Palästinenser wollen nicht verhandeln, genauso wenig wie die Israelis. Das ist doch alles nur Herumgerede, um sich nicht an einen Tisch setzen zu müssen. (tt.com/APA)


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