Österreich zeigt Flagge im „neuen“ Libyen

Vizekanzler Spindelegger bietet Vertretern der neuen Regierung heimisches Know-how beim Aufbau demokratischer Struktuern an.

Tripolis – Das neue Libyen ist gerade dabei, sich politisch aus der Asche des alten zu erheben - und Österreich will dabei sein: Außenminister und Vizekanzler Michael Spindelegger traf am Sonntag zu einem Blitzbesuch in Tripolis ein, um sich mit Vertretern der neuen Führung zu treffen und österreichische Hilfe beim Aufbau demokratischer Strukturen anzubieten. Mit im eigens gecharterten AUA-Flieger: Rund 50 Vertreter heimischer Firmen, die, wie es der Leiter der Wirtschaftsdelegation, Wirtschaftskammer-Vizepräsident Richard Schenz, formulierte, „ein starkes Signal unseres großen Interesses setzen“ wollen - und am Abend „mit Kontakten heimkehren, die halten“.

Treffen mit Übergangsratsvorsitzendem und Regierungschef

Der Vizekanzler wollte in Tripolis mit dem Vorsitzenden des Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil, und Regierungschef Mahmoud Jibril zusammentreffen. Im Gepäck hat er das Angebot, heimische Unterstützung bei der Ausbildung von Polizisten, Richtern und Staatsanwälten zu geben. „Der Übergangsrat hat die Zielsetzung, stabile demokratische Strukturen aufzubauen. Das gehört richtig aufgestellt“, erklärte der Vizekanzler. „Wir wollen dabei helfen, Rechtsstaatlichkeit und Versöhnungsarbeit zu gewährleisten.“ Durchaus auch im eigenen Interesse, sollten doch der Weg Libyens in eine demokratische Zukunft so angegangen werden, „dass wir auch das Zutrauen haben, dass das funktioniert.“

Österreichische Firmen auf „fact-finding-mission“

Eine „fact-finding-mission“ nennt der frühere OMV-Generaldirektor Schenz die insgesamt auf sechs Stunden anberaumte Blitzvisite in der libyschen Hauptstadt. Unternehmen, die wie die Baukonzerne Porr, Alpine oder Strabag jahrelang in Libyen tätig waren, loteten die Möglichkeiten für eine Wiederaufnahme ihrer Projekte auf, die während des blutigen Bürgerkriegs zum Erliegen gekommen sind. Aber auch bisher noch nicht am libyschen Markt tätige Konzerne wie Wienerberger wollten die Lage sondieren, beim Wiederaufbau dabei zu sein.

Zu den Veteranen heimischen Engagements in Libyen zählt die Cimbria Heid, die hier seit 30 Jahren Getreidesilos baut. Geschäftsführer Franz Harold will seinen libyschen Gesprächspartnern einerseits „zeigen, dass es uns weiter ernst ist, dass wir seriöse Partner sind“, anderseits aber auch feststellen, ob und wie die Finanzierung für laufende Aufträge im Wert von rund 4 Millionen Euro gesichert werden kann. Auch für die VAMED, die seit 16 Jahren in Libyen tätig ist und in Tripolis mit dem „Tripolis Medical Center“ laut Konzernsprecher Ludwig Bichler „das größte Spital Afrikas“ gebaut hat, stehen die Sichtung der Lage und die Möglichkeit künftiger Finanzierungen im Mittelpunkt des Kurzbesuches. Die VAMED sorgt für die Servicierung der medizinischen Technik in dem 1.400 Betten-Spital und bildet einheimische Kräfte für diesen Zweck aus. (APA)

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Kommentieren


Schlagworte