Mehr Show als Händel

„Serse“ im Theater an der Wien verzauberte mehr mit Oberflächeneffekten als mit musikalischem Tiefgang.

Wien – Es war ein Abend, der einen fast so verwirrt zurückließ, wie den Titelhelden dieser Oper. Man wähnte sich wie im Zirkus oder am Ende einer Händel-Show. Sie galt „Serse“, dem persischen König Xerxes, der in einer verzwickten Handlung verliebt sein muss. In Romilda, die heimliche Geliebte seines Bruders Arsamene, wobei wiederum Atalanta, Romildas Schwester, dazwischen intrigiert, weil sie es ebenso auf Serses Bruder abgesehen hat. Am Ende können Arsamene und Romilda doch heiraten und es taucht Serses frühere Geliebte Amastre auf, zu der er reumütig zurückkehrt. Regisseur des Abends im Theater an der Wien, Adrian Noble, lenkt alles sehr gekonnt, sehr geschmackvoll, sehr elegant und manchmal auch komisch. Was über die lange Dauer hin, dann doch ein wenig langweilt.

Somit ergibt sich für den Dirigenten Jean-Christophe Spinosi viel Raum um mit seinem kultiviert, aber etwas farbenarm spielenden Ensemble Matheus, kreativ einzugreifen. Malena Ernman als Serse zündet ein Feuerwerk an Vokalakrobatik, jagt in weltrekordverdächtigen Tempi durch ihre Arien, durch die Koloraturen und die Oktaven. Das ist beeindruckend, versprüht aber hauptsächlich olympischen Geist. Solche Stimmmöglichkeiten stehen Danielle de Niese als Atalanta dann nicht mehr zur Verfügung. Luciana Mancini plagt sich mit achtbarem Erfolg durch die Rolle der Amastre, Anton Scharinger ist der kraftvoll polternder Feldherr Ariodate und Andreas Wolf gibt einen sympathischen Diener Elviro. Auf verlorenem Posten stehen dabei Adriana Kucerová und Bejun Mehta als Liebespaar Romilda und Arsamene. Denn sie, und ganz besonders Bejun Mehta, zeigen, dass man Händel auch mit Seele, Natürlichkeit und schöner Stimme singen kann.


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