Tiroler Architekturbüro entwickelt Multifunktions-Kajak

Das zerlegbare Kajak Backyak der Rosenheimer Faltbootwerft Klepper passt in zwei Rucksäcke. Es kann mit Zubehör in Einzelboote geteilt, zu einer Badeinsel oder einem Katamaran mit Segel umgebaut werden. Entworfen hat das Sportgerät das Tiroler Architekturbüro klaszkleeberger in Zusammenarbeit mit der TU München.

Von Vanessa Grill

Innsbruck, Rosenheim – „Klepper gilt als Begründer der Outdoor-Bewegung“, erklärt Walter Klasz vom Innsbrucker Architekturbüro klaszkleeberger. Seine Aussage erläutert er mit einem Auszug aus der Unternehmensgeschichte der Rosenheimer Faltbootwerft. Der Architekturstudent Alfred Heurich hatte 1905 die Idee eines Bootes mit zerlegbarem Holzgerüst. Der Schneidermeister Johann Klepper erwarb 1907 die Lizenz von ihm und begründete die Erfolgsgeschichte des Unternehmens Klepper. Das zerlegbare Boot mit der Stoff- und Gummihaut war zwar keineswegs das erste seiner Art, aber Klepper schuf damit einen Kult um „Freiheit und Mobilität“, der weltweit Verbreitung gefunden hat.

Sportgerät für alle Jahreszeiten

Knapp 100 Jahre nach Alfred Heurichs Idee, ist wieder ein Architekt für eine Weiterentwicklung am Markt verantwortlich. „Ich war 2007 an der TU München als Assistent tätig“, berichtet Walter Klasz. „Mit Studenten des Lehrstuhls für Gebäudelehre und Produktentwicklung besuchte ich die Rosenheimer Faltbootmanufaktur.“ Mit den zwei besten Studenten Carla Baumann und Thomas Seitz wurden Studien und maßstäbliche Modelle entwickelt. So sei der Kontakt zu Ursula und Henning Isbruch, Vorstand und Aufsichtsrat von Klepper entstanden. „Der Anspruch an Freizeit ist heute mehr, als nur ein Boot zu haben, da waren wir uns einig. Also musste ein neues Produkt her“, so Klasz.

Aus vielen Gesprächen mit dem Unternehmen und in Zusammenarbeit mit der TU München entwickelte das Architektur- und Designbüro klaszkleeberger ein multifunktionales zerlegbares Boot - ein Sportgerät für alle Jahreszeiten. Der Backyak dient als Familien-Kajak, kann aber auch zwei Solopaddlern Spaß bieten. Er lässt sich zum besegelten Katamaran umbauen, er kann als Badeinsel oder aber in Winter als Zweierrodel eingesetzt werden.

Zusatzelemente verwandeln das Boot

Statt aus Gerüst mit Stoff- oder Gummihaut wird das neue Boot von Klepper aus Carbon gefertigt. „Bei der Formgebung haben wir neben der Funktionalität aber auch auf Ästhetik geachtet. Das Carbon wird mit einer speziellen, silbernen Folie überzogen. Sie dient als Schutz, macht das Material widerstandsfähiger, und lässt das Boot nebenbei wie einen Silberpfeil aussehen“, erläutert der Architekt und Designer. Doch nicht nur am Design tüftelten Walter Klasz und sein Partner Georg Kleeberger. Auch dem Anspruch der Zerlegbarkeit musste das Kajak gerecht werden. Der Rumpf des Bootes lässt sich in sechs Teile – dem Prinzip der russischen Puppe Matroschka – ineinander schichten. Die beiden mittleren Sektionen werden zu Tragebehältern, in die alle weiteren Teile gesteckt werden. Die beiden von Klepper als Rucksäcke bezeichneten Tragetonnen haben ein Format von 90 x 60 x 40 Zentimeter. Sie schauen wuchtig aus, wiegen aber jeweils nur zehn Kilogramm.

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Mit wenigen Handgriffen und ohne Werkzeug entsteht aus den Rucksäcken und deren Inhalt eine der verschiedenen Bootvarianten. Das Standardmodell „Kayak „verfügt über zwei Sitzplätze, eine Kinderluke und integrierten, wasserdichten Stauraum. Alle Teile werden mit einer Schnallenverbindung zusammengefügt.

Wer alleine paddeln möchte, teilt das Boot in zwei Einzelkajaks. Separate Endkappen, die entweder als Rucksackdeckel oder als Koffer verwendet werden können, schließen die Rümpfe ab. Die Sitzluke ist konstruktionsbedingt sehr nah am Heck, sehr schnell wird man damit nicht - eher eignet sich das Gerät für kürzere Strecken und als „Fun“-Boot. „Fun“ so lautet auch Kleppers Beschreibung dafür.

Die beiden Halbboote können wiederum mit einem Carbongestänge verbunden werden. Durch ein darüber gespanntes Trampolin entsteht ein Floß, das auch ein Elektromotor antreiben kann. „Relax“ heißt diese Variante, die auch als Badeinsel zum Einsatz kommt. Mit den Erweiterungskits „Sail“ lässt sich der Backyak auch zum Katamaran mit Segel umbauen.

Das Carbongestänge der Variante „Relax“ ist so entworfen, dass sich anders zusammengesteckt, daraus Rodelkufen ergeben. „Somit entsteht ein neues Wintersportgerät“, freut sich Walter Klasz, der die Zweierrodel vergangenes Jahr mit seiner Familie am Stubaier Gletscher getestet hat.

Im Frühjahr 2011 im Handel

Am 6. Oktober wurde der Prototyp des Faltbootes Backyak präsentiert. Die Serienreife ist erreicht. Es folgen noch kleine Optimierungen Erhältlich wird der Backyak im Frühjahr 2012 sein. Der Preis ist allerdings nicht ganz billig - für ein „Genießerboot“. Für verblockte Wildbäche eignet sich dieses Sportgerät nämlich nicht – auch wenn es laut Walter Klasz durch die speziell abgeschlossenen Bootspitzen unsinkbar ist. Für eine Verbesserung der Kippstabilität sorgen zusätzliche Luftpolster, die das Kajak um 20 Zentimeter verbreitern. „Zum Einsatz soll dieser Zusatz bei Anfängern und in unruhigeren Gewässern kommen“, empfiehlt Walter Klasz, der weiß wovon er spricht, hat er seine Kreation doch auf der Lech getestet.


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