Wende im „Todesfall“ in Wiener Kinderheim: Opfer ist am Leben

Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall bereits 2010 untersucht und stellt nun klar: „Es gab kein Todesopfer.“ Bestätigt wurde ein Verfahren wegen Misshandlung gegen eine ehemalige Erzieherin des Wiener Kinderheims. Dieses musste wegen Verjährung eingestellt werden.

Wien - Zwar bleibt der Vorwurf des systematischen sexuellen Missbrauchs im ehemaligen Wiener Kinderheim am Wilhelminenberg weiter aufrecht – den jüngst kolportierten Todesfall in dem Heim hat es aber offenbar nicht gegeben. Am Dienstag hatte es noch geheißen, dass in den 1950er Jahren ein Kind von einer Lehrerin regelrecht zu Tode geprügelt worden sein soll. Am Mittwoch die „Wende“: Das mutmaßliche Opfer soll am Leben sein.

Der „Kurier“ berichtete am Mittwochnachmittag von einem „Todesfall, der keiner war“: Das totgeglaubte Heimkind lebt. Es soll Mitte der 1950er-Jahre nur aus dem Heim Wilhelminenberg in ein anderes Heim verlegt worden sein.

Staatsanwaltschaft: „Es gibt kein Todesopfer“

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Thomas Vecsey, erklärte am Mittwoch gegenüber dem „Kurier“: „Es gab 2010 ein Ermittlungsverfahren gegen eine Erzieherin des Kinderheimes Wilhelminenberg wegen mutmaßlicher Misshandlung eines Heimkindes in den 50er-Jahren. Das Verfahren wurde im September 2010 wegen Verjährung eingestellt.

Laut Vecsey handelte es sich dabei aber um keinen Todesfall. „Es gibt kein Opfer“, stellte der Behördensprecher klar.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Von keinem Kapitalverbrechen erzählt

Nachdem Opferanwalt Johannes Öhlböck am Dienstag von möglichen Todesfällen berichtet hatte, kontaktierten zahlreiche Journalisten die Anklagebehörde, die von Vorwürfen einer heute 69 Jahre alten Zeugin bereits im Sommer 2010 erfahren hatte.

Die Staatsanwaltschaft hielt daraufhin noch einmal in ihren Akten Nachschau und stellte am Mittwoch fest, dass die Frau in ihren damaligen Angaben von keinem dezidierten Todesfall berichtet hatte. Diese habe teilweise am eigenen Leib verspürte Misshandlungen und sexuelle Übergriffe geschildert, aber von keinem Kapitalverbrechen erzählt, so Vecsey.

Körperverletzungsdelikte verjähren - wenn es keine Todesfolge gibt - nach längstens zehn Jahren. (tt.com, APA)


Kommentieren


Schlagworte