Protestmarsch von Ureinwohnern in Bolivien

Nach zwei Monaten Fußmarsch ist ein Protestzug bolivianischer Ureinwohner im Regierungssitz La Paz eingetroffen. Zehntausende Menschen empfingen am Mittwoch in einem Vorort die rund 2.000 Teilnehmer des Marschs gegen den geplanten Bau einer Straße durch ein Naturschutzgebiet mit Fahnen und Transparenten.

Angesichts der breiten Unterstützung für die Demonstranten bot Präsident Evo Morales ihnen direkte Gespräche an. In dem Wohnviertel Villa Fatima wurden die Marschierer mit Knallern und patriotischen Gesängen begrüßt. Zahlreiche lokale Aktivisten, Studenten und Arbeiter schlossen sich ihrem Marsch zum Regierungssitz am Murillo-Platz im Stadtzentrum an. Fernando Vargas, einer der Anführer des Protestmarschs, sagte jedoch, die Teilnehmer hätten „kein Vertrauen mehr in die Regierung“.

Die Indianer wehren sich gegen den Bau einer 300 Kilometer langen Straße, die durch ein Reservat im Amazonasgebiet führen soll, in dem rund 50.000 Ureinwohner leben. Sie befürchten, ihr Land könnte von landlosen Bauern aus dem Hochland sowie von Ölgesellschaften aufgekauft werden. Aus Protest gegen das Projekt waren Mitte August etwa 2.000 Ureinwohner, unter ihnen Frauen, Kinder und ältere Menschen, vom nördlichen Trinidad ins 600 Kilometer entfernte La Paz aufgebrochen.

Ende September setzten Sicherheitskräfte Tränengas und Schlagstöcke gegen die Marschierer ein, hunderte Aktivisten wurden vorübergehend festgenommen. Der Polizeieinsatz löste einen Aufschrei der Empörung aus und Innenminister Sacha Llorenti und Verteidigungsministerin Cecilia Chacon mussten zurücktreten. Morales ist der erste indianische Präsident des südamerikanischen Landes und versteht sich als Verteidiger der Rechte der Ureinwohner. Sein Festhalten an dem umstrittenen Straßenbauprojekt brachte ihm jedoch viele Gegner ein.

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