Mordversuch oder doch Notwehr? Prozess gegen Portugiesen vertagt

Der Leiharbeiter soll in Hatting mit einem Küchenmesser auf einen Arbeitskollegen eingestochen haben. Das Opfer überlebte die Attacke nach einer Not-OP. Der Angeklagte spricht von Notwehr. Am Donnerstag wurde der Protess erneut vertagt

Innsbruck - Der Prozess gegen einen Portugiesen wegen eines angeblichen Mordversuchs ist am Donnerstag zum zweiten Mal vertagt worden. Die nächste Verhandlung soll am 8. Februar 2012 stattfinden. Laut Richter Günther Böhler sollen abermals weitere Zeugen geladen werden. Der Prozess war bereits Ende August aus diesem Grund vertagt worden.

Der inzwischen 47-jährige Leiharbeiter soll im Oktober 2010 in Hatting mit einem Küchenmesser auf einen Arbeitskollegen eingestochen haben.Das Opfer musste notoperiert werden.

„Heute entscheidet es sich - du oder ich!“

Verteidiger Hubert Stanglechner plädierte schon zu Prozessbeginn Ende August auf gerechtfertigte Notwehr. Das Opfer habe den Angeklagten abgepasst und zuerst mit einer Weinflasche auf ihn eingeschlagen, ihn gewürgt und gedroht: „Ich töte dich. Heute entscheidet es sich - du oder ich!“ Zeugen, die das und andere behauptete Bedrohungen gehört haben sollten, waren aber bei der ersten Verhandlung für das Gericht nicht greifbar.

Handelte es sich doch bei allen Beteiligten um in einer Arbeiterunterkunft untergebrachte Leiharbeiter aus Portugal und Ungarn. Dementsprechend gestalteten sich auch die Zeugenaussagen, wie ein Chefinspektor der Mordkommission vor Richter Günther Böhler damals umriss: „Es sind sicher alles einfache Leute, die bei einfachsten Fragen oft vom Hundertsten ins Tausendste kamen. Gleichzeitig hatten wir aber auch den Eindruck, dass sie ihren Landsmann decken wollten“, beschrieb der LKA-Beamte.

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Mehrere Versionen

So standen sich mehrere direkt entgegenstehende Versionen gegenüber. Demnach wäre der Portugiese einerseits beleidigt, bedroht und attackiert worden und hätte in Notwehr zum Messer gegriffen. Andererseits könnte er auch wegen einer Frauengeschichte, Mobbings, Beleidigungen oder Rassismus auf den gebürtigen Angolaner eingestochen haben.

Das Opfer berichtete jedenfalls von Stimmungsmache gegen afrikanische Arbeitskollegen durch den Angeklagten - insbesondere nachdem er den Angeklagten wegen einer Cannabispflanze in dessen Schrank angezeigt hatte. Nachdem er durch die drei Messerstiche in der Unterkunft erst lebensgefährlich verletzt und sofort notoperiert worden war, ist er wieder gut genesen, hat aber kein Gefühl mehr im rechten Bein.

Dem Portugiesen drohen bei einem Schuldspruch zehn Jahre bis lebenslängliche Haft. (fell, TT.com)


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