Pleite Griechenlands für Banken kein Tabu mehr

Vor dem EU-Gipfel zur Schuldenkrise schwindet die Hoffnung auf eine Rettung Griechenlands durch Zugeständnisse der Banken. Als erster europäischer Top-Banker brachte am Freitag Commerzbank-Chef Martin Blessing eine Pleite des Landes ins Gespräch. „Griechenland braucht einen Schuldenschnitt. Es reicht nicht, nur Abschreibungen in den Bankbilanzen vorzunehmen“, sagte Blessing der „Bild“-Zeitung.

Ende Juli stimmte die Finanzbranche zu, sich freiwillig am zweiten Rettungspaket für Griechenland mit rund 50 Mrd. Euro zu beteiligen. Dies geschieht über den Rückkauf und Tausch von griechischen Staatsanleihen, was mit Wertberichtigungen von 21 Prozent einhergeht. Die Politik pocht aber auf eine stärkere Beteiligung der Banken. Dabei war zuletzt von einem Schuldenschnitt von 50 Prozent die Rede, dazu müssten die Institute möglicherweise gezwungen werden.

Eine Einigung gibt es bisher nicht, obwohl Banker, Politiker und Notenbanker seit Tagen verhandeln. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, zugleich Chef des internationalen Bankenverbandes IIF, reiste in dieser Woche eigens nach Brüssel. Ein hochrangiger deutscher Bankenvertreter, der mit den Verhandlungen vertraut ist, brachte die Ernüchterung mit den Worten zum Ausdruck: „Eine freiwillige Vereinbarung ist weiter das Ziel. Aber ob das klappt, bleibt abzuwarten.“

Zuvor hatte die deutsche Bundeskanzlerin Merkel offenbar einen höheren Schuldenschnitt für Griechenland als bisher geplant signalisiert. Man nähere sich dem Punkt, an dem die Schuldentragfähigkeit mit einer Reduktion von 21 Prozent nicht mehr ausreiche, sagte Merkel laut Teilnehmern einer CDU-Fraktionssitzung. Die deutsche Kanzlerin warb in der Fraktionssondersitzung für die Verschiebung der Entscheidungen über den Euro-Rettungsschirm EFSF in der EU. Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit, wurde Merkel zitiert. Es reiche noch aus, wenn die Beschlüsse am kommenden Mittwoch kämen. Die Verzögerungen lägen weniger an den Differenzen mit Frankreich als vielmehr an technischen Fragen.


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