Künstlerin Sasha Pirker verbindet Film und Architektur

Die 1969 geborene Wienerin gilt als „Philosophin des Raums“, die ihre filmischen Erkundungen von Gebäuden namhafter Architekten wie Lautner, Schindler oder Niemeyer in meist zehn- bis 20-minütige Kurzfilme gießt.

Von Daniel Ebner/APA

Wien – Nach Siegfried A. Fruhauf im vergangenen Jahr ist bei der diesjährigen Viennale (bis 2.11.) der Filmemacherin Sasha Pirker, einem weiteren strahlenden Aushängeschild der österreichischen Avantgarde- und Experimentalfilmszene, ein Spezialprogramm gewidmet. Die 1969 geborene Wienerin gilt als „Philosophin des Raums“, die ihre filmischen Erkundungen von Gebäuden namhafter Architekten wie Lautner, Schindler oder Niemeyer in meist zehn- bis 20-minütige Kurzfilme gießt. Unter dem Titel „Die denkende Form“ sind morgen, Samstag, um 18.30 Uhr im Wiener Künstlerhaus neun Werke, darunter auch vier kurze Miniaturen, in Anwesenheit der Künstlerin zu sehen. Die APA hat Pirker nach der Verbindung von Film und Architektur gefragt und einen Einblick in die Arbeitsweise erhalten:

Sie wurden einmal als „Architekturporträtistin“ bezeichnet. Sind Sie mit dem Begriff einverstanden? Und inwiefern passen die beiden Kunstsparten Film und Architektur denn für Sie zusammen?

Sasha Pirker: Ich bin dann mit dem Begriff einverstanden, wenn er nicht zu eng gesehen wird. Oft dient eine Zuweisung ja der Vereinfachung. Ich nehme Architektur als Ausgangspunkt, alles andere ist offen. Architektur funktioniert nicht ohne den Menschen, und gesellschaftliche Fragestellungen stehen für mich immer im Vordergrund. Geschichten werden erzählt, Beobachtungen finden statt, Menschen kommen zu Wort oder das Bild spricht für sie. Das kann auf sehr poetische, abstrakte, essayistische Weise passieren. Und Film und Architektur passen wunderbar zusammen: Das bewegte Bild und der statische Raum, dazu die Tonebene, das ergibt ein sehr weites Feld an Möglichkeiten.

Wie wählen Sie Ihre Motive aus - und in Verbindung mit den Bildern dann die jeweilige Tonebene?

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Pirker: Meine Motive entstehen zunächst über mein Interesse am Raum und an Architektur. Das ist oft eine sehr intensive Auseinandersetzung - das Vor-Ort-sein oder das Im-Raum-sein, das Beobachten, das Sehen und Wahrnehmen. Ich lerne dabei oft Menschen kennen, und die Kombination aus all dem Erfahrenen lassen mich diese Filme machen. Vieles entsteht erst vor Ort, ich habe nie ein fertiges Konzept, der Zufall ist etwas, dem ich sehr gerne Raum gebe. Die Tonebene behandle ich gleichberechtigt wie die visuelle Ebene, das Zusammenwirken dieser beiden macht die Komposition aus. Ich mache auch Filme ohne Ton bzw. mit sehr spärlichem Einsatz von Ton. Die Bilder evozieren dann beim Betrachter und bei der Betrachterin den jeweiligen Ton. Es gibt im Grunde keine Stummfilme.

Haben Sie Vorbilder oder konkrete Inspirationsfelder für Ihre Arbeit? Und vielleicht auch welche bei der Viennale?

Pirker: Sagen wir es so: Es gibt Menschen, deren Arbeit ich sehr schätze. Wenn wir nun im Bereich Film bleiben, nenne ich zum Beispiel (die Regisseure, Anm.) Jacques Tati und Yasujiro Ozu. Beide sind leider schon tot.


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