Anklage gegen Leiterin von Reha-Stätte für autistische Kinder

Wegen Verdacht des Vergehens der Freiheitsentziehung - Konkursverfahren von umstrittener Einrichtung im August eröffnet.

(Symbolfoto)
© TT/Thomas Böhm

Innsbruck - Nach Eröffnung des Konkursverfahrens über die umstrittene Innsbrucker „Rehabilitationsstätte DDr. Banffy GmbH“ von Mitte August sieht sich die Leiterin, Eszter Banffy, nun auch mit einer Anklage konfrontiert. Wegen des Verdachts der wiederholten Vergehen der Freiheitsentziehung und des Vergehens der versuchten Bestimmung zur falschen Beweisaussage hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck Anklage eingebracht, hieß es in einer Aussendung am Freitag.

Der Beschuldigten werde vorgeworfen, „einmal einen vierjährigen Buben etwa eine Stunde lang und ein weiteres Mal einen sechs- sowie einen zwölfjährigen Buben während der Nacht ohne therapeutische Notwendigkeit in einen für autistische und wahrnehmungsgestörte Kinder eingerichteten abgedunkelten Raum eingesperrt zu haben“. Laut Staatsanwaltschaft werde das Vergehen der Freiheitsentziehung mit bis zu drei Jahren Haft bestraft.

Weiters soll Banffy im Zuge der polizeilichen Ermittlungen einen Mitarbeiter dazu aufgefordert haben, gegenüber der Polizei anzugeben, dass er Zivildiener sei und von nichts wisse. Sie werde verdächtigt, versucht zu haben, den Mitarbeiter zu falschen Angaben gegenüber der Exekutive zu bestimmen, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Die Verhandlung war vorerst für den 9. November anberaumt.

Die Geschäftsführerin hatte nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens gegenüber dem Landesgericht Innsbruck als Ursache für den Konkurs angegeben, dass das Land Tirol seine Förderungen mit 1. November 2010 eingestellt habe. Die weitere Zukunft der Rehabilitationsstätte war laut Kreditschutzverband 1870 (KSV) ungewiss. Einen Sanierungsplan gab es nicht.

Das Land Tirol hatte dem Betreuungszentrum im Oktober 2010 die Eignung entzogen. Ausschlaggebend für diesen Schritt war seinerzeit, dass schwere Vorwürfe über äußerst groben Umgang mit den dort behandelten Kindern erhoben wurden. Das Zentrum war bereits zuvor kritisiert worden. Etwa das Einwickeln in Decken erschien den Eltern zu grob und unmenschlich. Im Jahr 2000 waren vom Land neue Qualitätsstandards bei der Rehastätte eingeführt worden. (APA)


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