Alle gegen Obama: US-Republikaner vereint gegen Irak-Abzug

Obama will zum Jahresende alle US-Truppen aus dem Irak abziehen. Die sonst untereinander stark zerstrittenen republikanischen Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2012 sind sich einig in ihrer massiven Kritik daran.

Washington - US-Präsident Barack Obama ist mit seinem Irak-Abzugsplan zum Jahresende auf massive Kritik im Republikaner-Lager gestoßen. Die konservativen Präsidentschaftsbewerber für die Wahl 2012 warfen ihm vereint Opportunismus und verantwortungsloses Handeln vor. Bei den Demokraten erntete Obama dagegen erwartungsgemäß Zustimmung.

Obama hatte am Freitag angekündigt, dass praktisch alle noch im Irak stationierten 39 000 US-Soldaten zu Weihnachten heimkehren sollen. Nur noch ein kleines Kontingent von etwa 160 Marineinfanteristen soll bleiben, hauptsächlich zum Schutz der diplomatischen Vertretungen im Land.

Den Abzugstermin hatte ursprünglich Obamas republikanischer Vorgänger George W. Bush mit der irakischen Regierung vereinbart. Obama war bereit, über das Jahresende hinaus ein Kontingent von mehreren tausend Soldaten zur Unterstützung der irakischen Sicherheitskräfte im Land zu belassen, wenn die Führung in Kabul dies wünsche. Eine Übereinkunft darüber war aber daran gescheitert, dass Regierungschef Nuri al-Maliki bei seinen eigenen Kritikern keine Immunitätszusage für noch verbleibende US-Soldaten durchsetzen konnte.

Al-Maliki nannte den US-Abzug am Samstag vor Journalisten in Bagdad eine «historische Chance für das irakische Volk». Jetzt beginne eine neue Phase der Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten auf der Basis gegenseitigen Respekts. «Der Abzug der US-Truppen beseitigt alle Rechtfertigungen des Blutvergießens im Irak von terroristischen Gruppen», sagte der Regierungschef weiter.

Die republikanischen Präsidentschaftsbewerber gingen in ihrer Kritik nicht auf Bushs Rolle beim Abzugstermin ein. Dagegen kreideten sie Obama unisono an, dass er mit seinem Schritt die im Irak erzielten Fortschritte aufs Spiel setze.

Diese seien mit dem „Blut und den Opfern“ tausender Amerikaner erreicht worden, zitierte die „Washington Post“ beispielsweise den Exgouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, derzeit der aussichtsreichste Anwärter auf die republikanische Spitzenkandidatur. Er sprach von einem „erstaunlichen Fehler“ Obamas, der unweigerlich die Frage aufwerfe, „ob diese Entscheidung das Resultat nackten politischen Kalküls oder schierer Unfähigkeit beim Verhandeln ist“.

Der texanische Gouverneur Rick Perry äußerte sich der Zeitung zufolge „zutiefst besorgt“ darüber, dass Obama politischen Erwägungen und nicht „solidem militärischen Urteil“ gefolgt sei. Die Abgeordnete Michele Bachmann wertete Obamas Absicht als «neues Zeichen politischer Schwäche“. Herman Cain, früherer Chef einer Pizza-Restaurantkette, hält den Abzug schlicht für eine „dumme Sache“.


Kommentieren


Schlagworte