Höherer Schuldenschnitt für Athen: Banken sollen auf 50 Prozent verzichten

Die privaten Gläubiger Griechenlands müssen sich auf hohe Verluste einstellen: Die EU-Finanzminister einigten sich auf einen Schuldenschnitt, der bei mindestens 50 Prozent liegen soll.

Brüssel – Zur Rettung Griechenlands haben die Europäer den Weg für einen deutlich kräftigeren Schuldenschnitt bereitet als bisher geplant. Die Euro-Finanzminister hätten sich darauf geeinigt, dass es „eine erhebliche Anhebung des von den Banken zu übernehmenden Beitrags“ geben solle, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Samstag. Sie sollen laut EU-Diplomaten auf mindestens die Hälfte ihrer Forderungen verzichten.

Zusätzlich einigten sich die Finanzminister darauf, das Kapital der europäischen Banken um rund 108 Milliarden Euro aufzustocken, um die Finanzinstitute gegen Folgen der Euro-Schuldenkrise zu wappnen

Mehr als zehn Stunden berieten am Samstag die Finanzminister der gesamten EU, bevor sich anschließend die Ressortchefs der Eurozone trafen. Angesagte Stellungnahmen der Spitzenpolitiker blieben am Abend aus. Wie es in Ratskreisen hieß, wurde strikte Zurückhaltung auch angesichts des bevorstehenden EU-Gipfels der Staats- und Regierungschefs und dem anschließenden Euro-Gipfel verordnet.

„Echte Gefahr für ganz Europa“

Das Nicht-Euro-Land Großbritannien zeigte sich besorgt über die Folgen der Dauerprobleme im Euro-Raum. Die Krise der Währungsunion sei inzwischen „eine echte Gefahr“ für ganz Europa, sagte Finanzminister George Osborne in Brüssel. Großbritannien wolle deshalb auf eine „umfassende Lösung“ drängen und keine „Heftpflaster“ mehr hinnehmen, die „die uns gerade mal durch die nächsten wenigen Wochen bringen“.

Am Freitagabend hatten die Euro-Finanzminister trotz Zweifeln an der langfristigen Gesundung der griechischen Staatsfinanzen grünes Licht für die Auszahlung von weiteren 8 Mrd. Euro an Athen gegeben. Gleichzeitig nahmen die Minister in einem Bericht der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds zur Kenntnis, demzufolge Griechenland womöglich noch zehn Jahre internationale Finanzhilfen braucht.

Hilfspaket soll neu geschnürt werden

Um es nicht so weit kommen zu lassen, soll ein erst im Juli vereinbartes zweites Hilfspaket für Griechenland neu geschnürt werden. Es sieht bisher öffentliche Finanzhilfen von 109 Milliarden Euro vor und einen Schuldenverzicht der Privatgläubiger von 21 Prozent. Nun soll es eine angemessene „Kombination von zusätzlicher öffentlicher Finanzierung und der Beteiligung des Privatsektors“ geben, wie die Euro-Finanzminister erklärten.

Die privaten Banken sollen dabei nach Angaben von EU-Diplomaten mindestens 50 Prozent ihrer Darlehen an Athen abschreiben. Die Euro-Länder müssten dann mit 114 Milliarden Euro fünf Milliarden Euro mehr bereitstellen als bisher geplant. Scheitert dieses Szenario, müssten nach Einschätzung der Troika bis 2020 möglicherweise sogar 252 Milliarden Euro nach Athen überwiesen werden.

Papandreou fordert „historische Entscheidungen“

Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou hat am Vorabend des EU-Gipfels in Brüssel „historische“ Entscheidungen gefordert, um „das Bestehen Europas“ zu sichern. „Die Herausforderung, vor der wir stehen, ist eine europäische Herausforderung“, sagte Papandreou am Samstag in der belgischen Hauptstadt. Es gehe nicht nur um Griechenland, „sondern um die Zukunft von Europa, das Bestehen von Europa“.

Die Entscheidungen der kommenden Tage seien „historisch“, mahnte Papandreou nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. In den kommenden Tagen wollen die europäischen Staats- und Regierungschefs eine langfristige Lösung für das hoch verschuldete Griechenland finden. (APA/dpa/AFP)


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