„Hurts“: Kontroll-Freaks tanzen nicht

Das elegante Electro-Pop-Duo Hurts kommt mit dem Album „Happiness“ am 27. Oktober in die Innsbrucker Dogana und spielt melancholischen Lieder, die glücklich machen.

Innsbruck – Hymnische Synthie-Pop-Ohrwürmer sind ihre Spezialität. Das beweist die Manchester-Band Hurts mit dem Debütalbum „Happiness“ und den Songs „Stay“ und „Wonderful Life“, in den dazugehörigen Videos kann man sich vom guten Stil von Theo Hutchcraft und Adam Anderson überzeugen. Vom armen Leben vor der perfekten Karriere, einem gebrochenen Bein, das eine Fußballerkarriere verhinderte und dass durch Musik alles gut werden kann, erzählt Gitarrist Adam Anderson im Interview.

Die Band Hurts gibt es seit zwei Jahren, seitdem stürmt ihr mit Electro-Sound die Hitparaden und füllt Konzerthallen. Hältst du manchmal inne und überlegst, wie dieser Erfolg passieren konnte?

Adam Anderson: Wir sind wirklich glücklich und dankbar, wir machen unseren Traumjob, jeden Tag, auf der ganzen Welt. Warum wir so großen Erfolg haben, ist schwierig zu erklären. Ein Grund ist, dass wir durch 55 Länder tourten und wirklich hart arbeiten. Wir kommen auch zurück in die Städte, wo wir spielten, und haben deshalb viele Fans. Ich kenne keine Band aus Manchester, die nach Weißrussland reist und ein ausverkauftes Konzert spielt. Die Leute wissen das zu schätzen. Aber es ist sicher auch Glück dabei.

Eure ersten großen Erfolge habt ihr in Deutschland gefeiert, auch das österreichische Publikum liebt euch. Wie empfangen euch die Fans in Osteuropa (Anm. Adam telefonierte aus Minsk mit der TT)?

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Anderson: Die Gigs sind so verrückt! Wir haben das beste Publikum, das so toll reagiert. Da ist kein Zynismus dabei. Wir spielen Songs, die die Leute mögen und das auch anerkennen, und das gefällt uns. Es ist nicht überall auf der Welt so. In England zum Beispiel ist das Publikum zynischer.

Euer Sound wird oft als melodramatisch und dunkel beschrieben, dabei klingt er doch fröhlich. Diese Widersprüchlichkeit äußert sich auch im Bandnamen „Hurts“ (zu deutsch: schmerzt), eure erste Platte dagegen heißt „Happiness“ (Fröhlichkeit).

Anderson: Wir sind eine Art Schwarz-Weiß-Band. Die Songs entstanden in einer Zeit, in der wir ein schlechtes Leben führten. Wir schrieben diese großen, emotionalen Songs, um dem zu entkommen. Ich denke, Musik hat viel mit Flucht zu tun. Wir befinden uns an der Trennlinie zwischen Traurigkeit und Freude, dieses Überschreiten von Grenzen ist sehr kraftvoll. Alle meine Lieblingsbands hatten diese Art von Melancholie, wie The Smiths oder Tears for Fears oder andere 80er-Jahre-Bands. Es ist ein schmerhaftes Glücklichsein, ich finde das ist die beste Musik.

Ist Ambivalenz euer Konzept?

Anderson: Die Hauptsache ist, dass das Gefühl immer mit Hoffnung verbunden ist. Es wäre falsch von uns, nur traurige Musik zu machen. Wir wollen, dass unsere Musik trotz allem immer hoffnungsvoll ist.

Mit welcher Musik bist du aufgewachsen?

Anderson: Bis ich 19 Jahre alt war habe ich gar keine Musik gehört. Dann habe ich ein Platte von Radiohead gekauft und begonnen, Musik zu hören. Das tolle daran, dass ich erst so spät Musik-Fan geworden bin, ist, dass es mir ermöglicht hat, schnell herauszufinden was ich mag und was nicht. Es gab soviel zu entdecken. Als ich 20 Jahre alt war habe ich eine Gitarre gekauft und begonnen, Songs zu schreiben, nachdem ich Theo getroffen habe. Theo ist mit Musik aufgewachsen, mehr als ich. Meine Eltern haben Beatles, Neil Diamond und Elton John gehört.

Was hast du gemacht, wenn du nicht Musik gehört hast?

Anderson: Ich war ein Fußballer und hatte gute Chancen. Als ich 18 Jahre alt war habe ich mir das Bein schlimm gebrochen. Dann habe ich die Musik entdeckt. Also ist doch alles gut ausgegangen. Aber ich liebe Sport, neben Musik ist er das wichtigste in meinem Leben. Ich wünschte, ich wäre Sportler.

Über euch liest man kaum Persönliches. Wie wichtig ist es für euch, Privates privat zu halten?

Anderson: Ich halte nichts davon den Leuten über das Internet mitzuteilen, was ich zum Frühstück hatte. Die Tatsache, dass es nicht viele Informationen über mich gibt, gibt mir das Gefühl, Kontrolle über mein Leben zu haben.

Zum 20-jährigen Jubiläum des Falco-Albums „Falco 3“ habt ihr eine Coverversion von „Jeanny“ gemacht. Eure Frisuren erinnern etwas an Falco. Bist du ein Fan?

Anderson: Bevor wir das Cover gemacht haben, habe ich Falco nie gehört, um ehrlich zu sein. Ich kann nicht viel über ihn sagen, außer, dass er eine faszinierende Persönlichkeit war.

Stil ist sehr wichtig für euch, eure elegante Kleidung und die strengen Frisuren sind euer Markenzeichen. Erwischt man euch auch mal in Jogginghose?

Anderson: Wenn man gut angezogen ist, fühlt man sich auch besser. Wenn man stolz auf sein Äußeres ist, hat man Kontrolle. Ich glaube, wir sind eigentlich Kontroll-Freaks. Auch bevor wir den Plattenvertrag und Geld hatten, haben wir uns smart gekleidet. So haben wir unsere Würde behalten, als wir arm waren und nicht viel Respekt von Leuten bekamen. Das hat uns geholfen. Und seitdem haben wir den Stil beibehalten. Und den Mädchen gefällt‘s auch (lacht).

Ihr habt in einem kleinen Kellerstudio in Manchester begonnen. Könnt ihr euch jetzt ein größeres Studio leisten?

Anderson: Ich habe letztens gerade darüber gesprochen, dass es lustig ist, dass wir jetzt ein noch kleineres Studio haben, schlimmer als das davor. Zurück nach Manchester zu gehen und in der schrecklichen Umgebung neue Songs zu schreiben, ist seltsam. Aber es ist wie eine Abhängigkeit für uns, und es bringt irgendwie das Beste aus uns raus.

Eure Musik geht in die Beine, auch in euren Videos wird viel getanzt – aber nicht von euch. Tanzt ihr auf Partys?

Anderson: Ich tanze nicht, Theo manchmal, wenn er betrunken ist. Als ich jünger war, hab ich mich richtig davor gefürchtet, das war zuviel Druck. Mein ganzer Rhythmus ist in meinem Kopf und kein Rhythmus in den Beinen, ich würde mich nur lächerlich machen.

Das Gespräch führte Cornelia Ritzer


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