Hoeneß nach Pleite in Hannover wütend auf „oscarreifen“ Pinto

Der Präsident des FC Bayern München ließ nach der 1:2-Pleite beim Pogatetz-Club ordetnlich Dampf ab.

Hannover - „Wutbürger“ Uli Hoeneß ließ seinem Zorn freien Lauf. Die zweite Niederlage des FC Bayern München, die den Titelkampf in der deutschen Fußball-Bundesliga spannend machte, stieß dem Clubchef sauer auf. Ziel seiner Verbalattacke in Hannover war 96-Profi Sergio Pinto. „Der schauspielert seit Jahren, der gehört nach Los Angeles zur Oscar-Verleihung. Das ist eine Schande“, schimpfte der Bayern-Boss und stapfte wütend aus der AWD-Arena. Ein bühnenreifer Abgang, den Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ergänzte: „Pinto sollte in die Kirche gehen und beichten.“

Geredet, gerangelt und geschubst

Die Führungsetage des Tabellenführers reagierte sehr gereizt auf Hannovers 2:1-Sieg. Reizfigur war 96-Mittelfeldspieler Pinto, der am Sonntagabend für den Aufreger Nummer eins in einem hochklassigen Spektakel sorgte. Nach einem Foul des Münchners Rafinha ließ er sich fallen und vor der 96-Bank behandeln. Die Bayern-Profis Toni Kroos und Jerome Boateng forderten ihn auf, weiterzuspielen. 96-Spieler - darunter auch ÖFB-Legionär Emanuel Pogatetz - eilten hinzu, und im Nu hatte sich ein Rudel von mehr als 20 Spielern, Betreuern und Ärzten gebildet. Es wurde geredet, gerangelt und geschubst, wobei Boateng (heftig) und 96-Verteidiger Christian Schulz (weniger heftig) als „Rempler“ auffielen.

Schiedsrichter Manuel Gräfe wartete, bis sich das Knäuel auflöste, konsultierte den vierten Offiziellen und zeigte danach Boateng die Rote und Schulz die Gelbe Karte. Eine umstrittene Entscheidung, die unterschiedlich bewertet wurde. „Der Platzverweis war unberechtigt. Beide hätten Gelb sehen müssen“, urteilte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. „Ich hätte gesagt, weiterspielen und fertig“, meinte 96-Coach Mirko Slomka. „Die Rote Karte hat das Spiel auf den Kopf gestellt“, schimpfte Hoeneß.

Heynckes: „Das wirft uns nicht aus der Bahn“

Heynckes kritisierte zwar Boatengs Verhalten, ging aber ansonsten milde mit seiner Star-Truppe um. Tormann Manuel Neuer kassierte nach 770 Minuten wieder ein Bundesliga-Gegentor, Torjäger Mario Gomez überwand trotz bester Chancen Keeper Ron-Robert Zieler nicht, dennoch verteilte der Trainer Komplimente. „Ich bin mehr mit meiner Mannschaft zufrieden als nach 4:0- oder 5:0-Siegen“, sagte Heynckes. Mit Blick auf das DFB-Cup-Spiel gegen Ingolstadt am Mittwoch sagte er: „Das wirft uns nicht um. Wir werden uns regenerieren.“

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Die 96-Fans unter den 49.000 Zuschauern feierten ausgelassen den zweiten Sieg über die „großen Bayern“ in diesem Jahr. Geburtstagskind Mohammed Abdellaoue (26 Jahre) mit einem Elfertor (23.) und Christian Pander (50.) mit einem von Luiz Gustavo abgefälschten Schuss hievten die Niedersachsen bei einem Gegentreffer des eingewechselten ÖFB-Legionärs David Alaba (83.) auf Bundesliga-Platz vier - und auf Rang eins der Heim-Tabelle.

Siege gegen Bayern bringen auch nur drei Punkte

„Wir etablieren uns in den oberen Regionen. Solche Spiele tragen dazu dabei, dass die Stadt und die Region 96 liebt“, kommentierte Trainer Slomka den starken Auftritt seines Teams. Das Spiel war auch ein Mutmacher für die gesamte Liga, die in Ehrfurcht vor dem Rekordmeister zu erstarren drohte. Hannovers Stürmer Jan Schlaudraff, früher selbst ein Bayern-Profi, blieb trotz der Riesen-Euphorie in Hannover ganz nüchtern: „Siege gegen Bayern bringen auch nur drei Punkte.“ (APA)


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