Trotz 6:1-Prügel für ManUtd tritt ManCity auf die Euphoriebremse

Während britische Medien schon von einer Wachablösung in der Premier League sprechen, bleiben die City-Verantwortlichen bescheiden.

London - Weinende ManU-Fans im „Theater der Träume“, ein restlos bedienter Sir Alex Ferguson, und ein skurriler Torjubel von Gegner Mario Balotelli: Im 161. Derby gegen den Stadtrivalen City musste Manchester United eine historische Tracht Prügel einstecken, die im Fußball-Mutterland Eintrag in die Geschichtsbücher finden wird. Denn es war die höchste Derby-Pleite seit 1926 (ebenfalls 1:6 gegen City) für die „Red Devils“, die noch mehr Heim-Gegentore vor 81 Jahren beim 4:7 gegen Newcastle United einfingen. Umgekehrt stellte das City-Starensemble seinen Premier-League-Rekord aus dem Vorjahr (6:1 beim FC Burnley) ein und schwang sich mit nunmehr fünf Zählern Vorsprung auf Titelverteidiger ManUnited zum Titel-Top-Favoriten auf.

Ferguson: „Der schlimmste Tag im Fußball“

„Für mich war dies mein schlimmster Tag im Fußball“, erklärte Uniteds 69 Jahre alte Trainer-Ikone Ferguson geschockt. Mann des Tages bei den Triumphatoren aus dem Osten Manchesters war Balotelli. Der Stürmer traf zweimal (32./60. Minute). Ungewöhnlich fiel die Jubelpose des exzentrischen Italieners nach dem ersten Tor aus: Er präsentierte unter seinem Trikot ein T-Shirt mit der Aufschrift „Warum immer ich?“. Es war eine Anspielung auf einen Vorfall im Hause Balotelli. Am Freitag hätten explodierende Feuerwerkskörper im Badezimmer beinahe einen Großbrand ausgelöst.

Maradona-Schwiegersohn Sergio Agüero (69.), der eingewechselte Edin Dzeko (89./90.+3) und der Spanier David Silva (90.+1) sorgten in der Schlussphase mit ihren Toren für das ManU-Debakel. „Mit sechs Treffern bei Manchester United zu gewinnen, ist einfach unglaublich“, jubelte Dzeko nach dem unerwarteten Coup.

Manchester City beseitigt den Diktator

Britische Medien sehen nach der spielerisch wie taktisch brillanten Leistung der „Citizens“ bereits eine „Wachablösung“ im englischen Fußball. „Für die unterdrückten Menschen von Manchester City war es der Tag, an dem der Diktator beseitigt und seine Statue gestürzt wurde“, schrieb „The Independent“ mit viel Pathos, „nach vielen Jahren in der zweiten Reihe war es für City der Unabhängigkeitstag.“ „The Guardian“ befand: „Zu den Lehren aus dem Derby gehört, dass Manchester City nun Titelfavorit ist.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

BBC-Chefkommentator Phil McNulty glaubt hingegen: „United ist so aufgestellt, dass so eine Niederlage die Machtverhältnisse in der Stadt nicht gleich durcheinanderbringt.“ Auch Citys Coach Roberto Mancini war nach der Partie bemüht, die Euphorie zu bremsen: „United ist uns immer noch ein Stück voraus“, erklärte der Italiener, „wir können dies nur ändern, wenn wir einen Titel gewinnen.“ (dpa)


Kommentieren


Schlagworte